Die Direktinvestitionsprojekte ausländischer Unternehmen in Österreich sind im vergangenen Jahr um fast drei Viertel angestiegen. 2019 verzeichnete der Investitionsstandort mit einem Plus von 73 Prozent ein Rekordjahr, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner der Unternehmensberatung EY Österreich. 69 Projekte wurden demnach umgesetzt, während 2018 und 2017 jeweils 40 Projekte finalisiert wurden.

Deutsche Unternehmen waren erneut die mit Abstand relevanteste Investorengruppe in Österreich – sie steigerten ihr Engagement im Vergleich zu 2018 um sechs Projekte auf 24. Auch die USA mit 13 und China mit zehn Projekten waren sehr aktiv. Die Schweiz mit sechs Projekten, Großbritannien mit drei, Frankreich und Japan mit je zwei Projekten waren etwas zögerlicher. Unternehmen aus anderen großen europäischen Volkswirtschaften wie Spanien oder Italien haben Österreich dagegen noch kaum auf dem Radar, so Reimoser.

Österreich zurückhaltend
Österreichische Unternehmen hielten sich mit Investitionen im Ausland zurück; die Zahl der Projekte sank um ein knappes Viertel (24 Prozent). Deutschland bleibt trotz Rückgang der größte Zielmarkt für österreichische Auslandsinvestitionen mit 30 Projekten (47 in 2018). Die Zahl der österreichischen Projekte in Mittel- und Osteuropa sank um 38 Prozent von 63 auf 39, während in anderen Ländern Westeuropas ein Rückgang von 17 Prozent von 82 auf 68 zu beobachten war. Die Türkei war das drittbeliebteste Zielland für Österreichs Unternehmen: Immerhin zehn Projekte wurden 2019 hier abgewickelt. Die Zahlen gehen auf die Erhebungen im Rahmen der "EY Attractiveness Survey" zurück.

Europa sei im vergangenen Jahr und vor dem Ausbruch der Coronakrise insgesamt ein gefragter Investitionsstandort gewesen. Insgesamt 6.412 Investitionsprojekte von ausländischen Unternehmen wurden umgesetzt. Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr und der zweithöchste je gemessene Wert. Im Ländervergleich belegte Frankreich dank eines Zuwachses von 17 Prozent erstmals den ersten Platz – vor Großbritannien und Deutschland. Während Großbritannien trotz der Brexit-Unsicherheit fünf Prozent mehr Projekte registrierte als 2018, lag die Zahl der Investitionen in Deutschland auf dem Niveau des Vorjahres.

Investitionsrekord in Österreich wegen Produktionsstandorts
Den starken Aufwärtstrend in Österreich wird auf das Interesse am Produktionsstandort zurückgeführt. Fast doppelt so viele Projekte wie im Vorjahr, 27 an der Zahl, betrafen den Bereich Produktion, so Reimoser. Auch als Absatzmarkt ist Österreich beliebt. Immerhin haben sich die Investitionen im Bereich Vertrieb und Marketing von sieben auf 15 Projekte mehr als verdoppelt.

Nun bremst aber das Coronavirus die Investitionen. Europaweit wurden 25 Prozent der geplanten Projekte aufgeschoben und zehn Prozent gestrichen. Im Fokus steht derzeit eher Liquiditätsmanagement, Investitionen werden hintangestellt. Insgesamt sei im laufenden Jahr mit einem Rückgang der ausländischen Investitionen um 35 bis 50 Prozent zu rechnen. Wobei Branchen wie Maschinenbau und die Autoindustrie derzeit besonders auf der Bremse stehen, Pharmaunternehmen hingegen stärken teilweise ihre Kapazitäten. Und auch in die digitale Infrastruktur wird kräftig investiert, "der digitale Wandel beschleunigt sich gerade", beobachtet Reimoser.

Österreich könnte vom Erstarken Osteuropas profitieren
Ein Erstarken erwartet EY in der Region Osteuropa. Die mittel- und osteuropäischen Länder hatten im vergangenen Jahr fast durchweg Einbußen bei der Zahl der Investitionsprojekte. Hier könnte sich das Blatt wenden. "Die meisten Länder in der Region konnten bislang die gesundheitlichen Folgen der Pandemie relativ gut meistern, sie haben einen hohen Digitalisierungsgrad und ein gutes Ausbildungsniveau", so Reimoser. Gerade österreichische Unternehmen könnten die Gelegenheit ergreifen und sich in den kommenden Jahren noch stärker in Richtung Osten orientieren. (eml)