Der britische Vermögensverwalter Schroders hat seine Bestände an zehnjährigen US-Staatsanleihen aufgestockt. Nach dem jüngsten Ausverkauf dürften die Renditen ihren Höchststand nahezu erreicht haben, erwartet das Unternehmen.

"Aus Bewertungssicht erscheinen sie attraktiver als zuvor", sagte die globale Investmentchefin Johanna Kyrklund. "Angesichts des Ausverkaufs sehen wir hier die Chance, etwas Duration ins Portfolio zu nehmen."

Schroders dreht bei der Duration
Schroders verlängerte bereits im Sommer die Duration und baute sein Engagement in den vergangenen Wochen weiter aus. Der Vermögensverwalter änderte seine Einschätzung zu globalen Anleihen und gewichtet die Duration nun leicht über. Während des größten Teils dieses Jahres und über weite Strecken der vergangenen Jahre war sie untergewichtet, sagte Kyrklund am Donnerstag (3.9.) in einem Interview.

Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der die Anleiherenditen in den weltweit größten Märkten auf Mehrjahreshochs gestiegen sind. Hohe Rohölpreise und Inflationssorgen halten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen aufrecht.

"Spielraum für kurzfristige Rally"
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Mittwoch (2.9.) auf knapp 4,82 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2023. Tags darauf fiel sie auf 4,77 Prozent.

"Auf diesem Niveau sehen wir das obere Ende der Spanne", sagte Kyrklund. "Renditen von 4,8 bis fünf Prozent sind für uns derzeit grundsätzlich eine Kaufgelegenheit. Zudem sehen wir Spielraum für eine kurzfristige Rally, die die Rendite auf etwa 4,5 Prozent drücken könnte."

Fed-Schritt bereits eingepreist
Viele Fondsmanager bleiben bei länger laufenden Anleihen vorsichtig. Anleger verlangen angesichts von Bedenken hinsichtlich der fiskalischen Glaubwürdigkeit und politischer Risiken höhere Renditen. Der Markt rechnet mit einer möglichen Zinserhöhung durch die US-Notenbank im laufenden Monat.

"Sollte die Fed die Zinsen anheben, ist das bereits eingepreist", sagte Kyrklund. "Sollten die Inflationsdaten schwach ausfallen" und die Fed überraschend auf eine Anhebung verzichten, "dürften Anleihen steigen". (mb/Bloomberg)