Die niedrigen Zinsen, Produkt der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbanken, begleiten Anleger nun schon seit einigen Jahren. Und fürs Erste ist wohl auch kein Ende in Sicht.  "Die Schulden der Industrieländer erreichen im Durchschnitt aktuell ein absolutes Rekordniveau, vergleichbar mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg", sagt Matthias Jörss, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Salytic Invest. Um mit dieser Situation umzugehen, hätten die Regierungen wenig Möglichkeiten: “Da ein harter Schuldenschnitt keine politische Akzeptanz hat, besteht der einzige Weg aus der Schuldenkrise in einem langjährigen Abbau des Ungleichgewichtes durch höheres Wirtschaftswachstum, kurzfristig bereits steigende Sozialabgaben und später auch höhere Steuern für Besserverdienende, sowie einer negativen Realrendite an den Staatsanleihemärkten – das heißt, die Inflation ist höher als die nominalen Zinsen."

Anleger, die überhaupt noch eine positive Realrendite erwirtschaften wollen, müssen auf Aktien oder "operative Aktivitäten mit steigenden nominalen Zahlungsströmen“ ausweichen, sagt Wolfgang Sawazki, Vorstand von Salytic Invest. Zwar blieben risikoarme Rentenanlagen wie Staatsanleihen oder gut bewertete Unternehmensanleihen ein Kernbestandteil eines jeden Portfolios. Doch es sei nur noch eingeschränkt möglich, Portfolios durch risikoarme Strukturen abzusichern.

Gewinner und Verlierer
Besonders stark beeinflusst werden durch die Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken Wirtschaftssektoren wie die IT- und Halbleiter-Branche, die Unternehmen aus dem Energiesektor, sowie aus der Gesundheitsbranche. "Ein wichtiger Teil der Konjunkturstimuli wird über Jahre in den Green Deal fließen, zum Beispiel in Wind- und Solarenergie, Wasserstoff, Wärmedämmung und Electric Vehicles", sagt Sawazki. Zu den Verlierern würden hingegen der Geschäftsreiseverkehr, die Öl-Industrie, sowie der stationäre Einzelhandel und die Verbrenner-Technologie im Automobilbereich gehören. (fp)