Ob das anstehende Börsenjahr ein Traum oder ein Alptraum wird, steht noch in den Sternen. Bantleons Chefvolkswirt Daniel Hartmann zumindest wagt noch keine eindeutige Prognose: "Anfang 2020 herrscht an den Finanzmärkten eine Mischung aus Optimismus und Unbehagen", fasst er die aktuelle Stimmung zusammen. Einerseits hat sich die Lage im Handelsstreit zwischen den USA und China beruhigt, andererseits lauert im Nahen Osten die nächste Krise. Auch die anhaltende Rally an den Aktienmärkten ist seiner Einschätzung nach besorgniserregend.

"Alles in allem bleibt einem Investor angesichts der jüngsten Ereignisse nichts anderes übrig, als erst einmal auf Sicht zu fahren und abzuwarten", lautet Hartmanns Fazit. Dennoch zeigt er sich vorsichtig optimistisch: Er hält es für wahrscheinlich, dass US-Präsident Donald Trump die politische Lage im Nahen Osten so kurz vor den US-Wahlen nicht eskalieren lässt. Auch beim Handelskonflikt könnten sich die Wogen noch glätten. In der Folge rechnet Hartmann in den kommenden Monaten mit einer positiven Marktstimmung und einem Aufwärtstrend bei Aktien.

Gute Aussichten für Europa
Regional sind die Märkte ebenfalls zwiegespalten. So befinden sich US-Einkaufsmanagerindizes auf einem Zehn-Jahres-Tief – ein Warnsignal für die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten. In Europa ist Hartmann zufolge dagegen Zuversicht angebracht. Immerhin hat sich der Ifo-Index im vierten Quartal des vergangenen Jahres erholt. Auch die Konsumnachfrage und der Dienstleistungssektor sind stabil. "Sollte sich das geopolitische Umfeld wieder einrenken, steht somit einer moderaten konjunkturellen Erholung in Europa in diesem Jahr nichts im Wege", sagt Hartmann. (fp)