Der Dax tritt seit rund einem Jahr auf der Stelle. Auch wenn die erhöhten Schwankungen das etwas übertünchen: In den vergangenen zwölf Monaten verharrte der Index innerhalb einer engen Handelsspanne. Woran das liegt? Kornelius Purps, Kapitalmarktstratege bei Antea, gibt eine Antwort und wagt eine Prognose.

Dax ist weit vorausgeeilt
Ein gewichtiger Grund für die Seitwärtsbewegung der vergangenen Monate dürfte seiner Meinung nach die starke Kursperformance der vorangegangenen zweieinhalb Jahre gewesen sein. "Zwischen Herbst 2022 und Mai 2025 hat sich der Dax in etwa verdoppelt", so Purps. Im Herbst 2022 spiegelte der Dax demnach bei einem Kursniveau von 12.000 Punkten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als zehn wider. Purps: "Seither wurde für die Dax-Unternehmen die Erwartung einer sich deutlich verbessernden Gewinnentwicklung eingepreist. Allerdings konnte die Realität mit diesen Hoffnungen nicht recht Schritt halten."

Zwar – so der Kapitalmarktstratege – erwirtschafteten die Dax-Unternehmen insgesamt im Jahr 2023 noch einen Gewinnzuwachs von etwas mehr als zehn Prozent, aber in den vergangenen beiden Jahren habe es diesbezüglich eher Rück- als Fortschritte zu vermelden gegeben. Anfang Mai 2025, als der unmittelbare Zollschock an den Börsen verarbeitet war, hatte der Dax seiner Meinung nach ein Kursniveau erreicht, das der schwachen Gewinnentwicklung weit vorausgeeilt war. "Nach oben war die Luft für weitere Kurszuwächse nun zu dünn, nach unten bot die international freundliche Aktienmarktstimmung eine Absicherung gegen nennenswerte Kursverluste", so Purps. "Im Ergebnis steht nun seit einem Jahr die besagte Seitwärtsbewegung mit einer Handelsbandbreite von lediglich 14 Prozent."

Eher seitwärts statt aufwärts
Wie geht es weiter? Aus fundamentaler Sicht spricht für ihn einiges dafür, dass sich die Seitwärtsbewegung im Dax vorerst noch fortsetzen wird. "Für einen nachhaltigen Kursausbruch zur oberen Seite bedarf es klarer Anzeichen einer sich verbessernden Ertragslage. Diese Anzeichen sind aktuell jedoch noch nicht erkennbar." Ein Jahr seitwärts ist für den Antea-Strategen rückblickend kein Anlass zum Feiern, und auch nach vorne geschaut liefern die Erfahrungswerte keinen Grund zu außergewöhnlicher Zuversicht. (jh)