Investmentstratege: "Allzeithochs sind Herdentiere"
Aktienindizes wie Dax oder S&P 500 befinden sich auf Rekordniveau. Bei vielen Anlegern werfe dies die Frage auf, ob man jetzt noch kaufen oder doch besser abwarten sollte, beobachtet Stephan Kemper von BNP Paribas. Er hat darauf eine klare Antwort.
Der psychologische Widerstand sei greifbar, meint Stephan Kemper, Chief Investment Strategist im Wealth Management von BNP Paribas: "Wenn Indizes wie der Dax oder der S&P 500 von Rekord zu Rekord eilen, zögert das Kapital." Die Angst, exakt auf dem Gipfel zu kaufen und die anschließende Korrektur voll mitzunehmen, blockiere rationale Anlageentscheidungen. "Die Erfahrung zeichnet allerdings ein gänzlich anderes Bild: Ein Allzeithoch ist ein denkbar schlechter Indikator für einen bevorstehenden Crash", so Kemper. "Allzeithochs sind Herdentiere und tauchen meist in Rudeln auf."
Der Trend bleibe ein verlässlicher Partner, stellt der Anlagestratege fest: Die Auswertung historischer Kursdaten belege, dass Marktteilnehmer, die mutig in die Stärke hineinkaufen, belohnt werden. Bei einem Anlagehorizont von 36 Monaten liege die durchschnittliche Rendite nach einem neuen Rekordstand des Dax bei 35,1 Prozent – knapp drei Prozentpunkte über dem unbedingten Marktschnitt. Beim S&P 500 das gleiche Muster: 30,1 Prozent Durchschnittsrendite nach einem Allzeithoch stünden 29,1 Prozent im allgemeinen Durchschnitt gegenüber.
Kurzfristiger Divergenzeffekt zwischen den Kontinenten
Dabei zeige sich allerdings auch: Während der Dax im ersten Monat nach einem Allzeithoch mit einem Plus von 1,33 Prozent deutlich stärker abschneide als im Durchschnitt (0,82 Prozent), verhalte sich der amerikanische Leitindex konträr. Der S&P 500 genehmige sich nach einem Rekord eher eine kurze Atempause und liefere auf Sicht von vier Wochen mit 0,32 Prozent weniger als sein historischer Schnitt (0,75 Prozent).
"Kurzfristige Schwankungen sollten jedoch nicht den Blick auf das große Bild verstellen", meint Kemper. "Das Fundament dieser Marktdynamik ist intakt. Die Unternehmensgewinne wachsen solide. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen bilden ein tragfähiges Gerüst für die aktuellen Bewertungen, was den breiten Aufwärtstrend stützt."
Europäischer Aktienmarkt verdient besondere Aufmerksamkeit
In den vergangenen zehn Jahren habe Europa häufig falsche Hoffnungen geweckt, räumt der Investmentstratege ein: "Vermeintliche strukturelle Aufbrüche endeten oft in einer Underperformance." Die aktuelle Ausgangslage mit vielen Zweiflern berge jedoch eine Chance. Internationale Portfolios seien in europäischen Werten derzeit strukturell untergewichtet. Setze sich der positive Trend bei den Unternehmensgewinnen und der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung fort, entstehe massiver Anpassungsdruck.
"Diese Kombination aus anziehenden Fundamentaldaten und einer pessimistischen Vorpositionierung der institutionellen Akteure bildet einen idealen Nährboden für eine anhaltende Aufwärtsbewegung", sagt Kemper. "Unterinvestierte Marktteilnehmer werden zu Käufern, sobald der konjunkturelle Motor spürbar rund läuft und nicht, wie so oft schon, nach kurzer Zeit erneut zu stottern beginnt." (fp)















