Für den Ruhestand vorzusorgen ist auf den ersten Blick gar nicht so schrecklich schwierig: Früh und konstant sparen und dem Zinseszins die meiste Arbeit überlassen. "In der Praxis sieht es jedoch anders aus", sagt Markus Richert, Seniorberater bei Portfolio Concept Vermögensmanagement.

Die private Vorsorge lässt sich seiner Ansicht nach in der Regel in vier Phasen unterteilen: Die erste Phase beginnt im Alter von 18 Jahren und geht so lange, bis der Sparer etwa 35 Jahre alt ist. Das ist die Zeit der Ausbildung und Familiengründung. "In dieser ersten Phase des Sparens ist die entscheidende Frage, ob ich es mir überhaupt leisten kann, zu sparen", sagt Richert. 

Während Ausbildung und Studium reicht das Einkommen oft nur für das Nötigste. Ein Sparplan muss in dieser Phase vor allem flexibel sein, was die Höhe des Sparbeitrages und die Spardauer angeht. Es gilt zu überprüfen, ob das Einkommen überhaupt die Ausgaben übersteigt. "Das Ziel muss sein, die Grundlage für später zu schaffen", sagt Richert. Wichtig ist auch ein ausreichender Risikoschutz. Ausbildung und Gesundheit müssen gesichert sind. Erst dann kann das Thema Vermögensbildung mit vollem Elan angegangen werden.

Risikomanagement wird mit dem Alter wichtiger
Die zweite Vorsorge-Phase veranschlagt Richert in der Zeitspanne von 35 bis 50 Jahren. "In dieser erreicht man plötzlich den Punkt, an dem man genug verdient und sich ernsthaft mit der Vermögensbildung auseinandersetzen kann." 

Dann stellt sich die Frage nach dem optimalen Risikomix. Wieviel Risiko bin ich bereit, bei der Vermögensbildung einzugehen? Welche Beträge kann ich wirklich langfristig zurücklegen? Fehler, die in diesem Lebensabschnitt gemacht werden, lassen sich in den folgenden Jahren nicht mehr so einfach korrigieren. "Die Rendite gewinnt an Bedeutung", sagt Richert. Wer in dieser Phase zu konservativ spart, verschenkt Vermögensbildungspotential.

Ab dem 50. Lebensjahr beginnt für viele Menschen ein neuer Lebensabschnitt und auch eine neue Phase des Vermögensaufbaus. Die Einnahmen überschreiten dann oft in signifikantem Maße die Ausgaben. "Das Spektrum der Investitionsmöglichkeiten ist breit. Neben rein liquiden Anlagen nutzen viele Anleger auch eine fremdgenutzte Immobile oder andere Formen der unternehmerischen Beteiligung für den Vermögensaufbau", schildert Richert.

Spätestens jetzt sei ein professionell ausgearbeiteter Finanzplan unerlässlich. "Nur so behält man den Überblick über die unterschiedlichen Anlageformen", sagt Richert. Selbst kleine Fehlentscheidungen können schlimme Folgen haben, denn in dieser Phase haben Sparer viel zu verlieren. "Das Risikomanagement wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor", so der Anlageprofi.

Kapital mit Verstand verbrauchen
In der vierten Phase ist der Ruhestand erreicht – dennoch sind Vorsorgesparer nicht am Ziel, mahnt Richert. Auch die Verbrauchsphase verlangt volle Aufmerksamkeit. Der Ruhestand geht oft mit vielen Veränderungen einher. "Der regelmäßige Ertrag und die optimale Entnahme aus dem Vermögen stehen jetzt im Vordergrund", so der Anlageprofi.

Große Risiken sollte man nicht mehr eingehen. Eine lebenslange Verrentung des bis dato angehäuften Vermögens biete zwar Planungssicherheit, aber oft bestehe auch die Notwendigkeit, kurzfristig auf größere Einmalbeiträge zurückgreifen zu müssen. Der Erhalt beziehungsweise das kontrollierte Abschmelzen der Vermögenswerte sei dann die entscheidende Aufgabenstellung für Berater. "Die Zeit für Experimente ist vorbei, Fehler bei der Anlageentscheidung können existenzbedrohende Folgen haben", mahnt Richert. (fp)