Verkehrte Vorzeichen an der Börse: Während in der Realwirtschaft die größte Krise seit langem tobt, schwingt sich der US-amerikanische Technologieindex Nasdaq zu neuen Höhen auf. "Viele Marktteilnehmer trauen der neuen Euphorie am Markt nicht und setzen auf einen weiteren Rückschlag, ausgelöst von einer zweiten Virus-Welle", sagt Marc-Oliver Lux von der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner in München. "Dass die Aktienkurse stattdessen in Riesenschritten nach Norden streben, wird wohl als die meistgehasste Hausse in die Börsengeschichte eingehen."

Denn viele Börsianer würden derzeit auf fallende Kurse setzen, und damit bislang auf verlorenem Posten stehen. Nicht mal die verheerenden Arbeitslosenzahlen aus den USA konnten den Markt wieder drücken - im Gegenteil, resümiert Lux: "Schlechte Nachrichten führten absurderweise sogar zu noch höheren Kursen. Der Drang zu den alten Höchstständen wird zunehmend schmerzhaft für Anleger, die weiterhin auf fallende Kurse warten." Doch so schnell würden die Pessimisten sich nicht geschlagen geben, und dies wird laut Lux auch weiterhin zu viel Volatilität am Aktienmarkt führen. 

"Never fight the Fed"
Der Profi teilt zwar die Skepsis vieler Anleger – schließlich sei die schnelle Erholung der Börsenkurse nicht einem Wiederaufbäumen der Wirtschaft, sondern allein der freien Liquidität geschuldet, die durch die Notmaßnahmen der Notenbanken und billionenschwere Hilfs- und Konjunkturprogramme der Regierungen in den Markt gepumpt werden. Allein, was nutzt es – Lux geht davon aus, dass am Aktienmarkt ähnliche Preisverwerfungen wie am Immobilienmarkt drohen, solange sich die Geldschleusen immer weiter öffnen.

Der Anlageprofi hält es mit dem alten Slogan "Never fight the Fed", will heißen: sich bloß nicht gegen die US-Notenbankpolitik stellen, egal was die Fundamentaldaten sagen. "Es muss allen Anlegern, die von ihren Positionen auf fallende Kurse nicht ablassen wollen, eine Warnung sein", sagt Lux. (fp)