Die Drohgebärden aus Washington in Richtung Iran haben ihren Effekt nicht verfehlt: Viele Marktteilnehmer fürchten, dass der Konflikt zwischen den beiden Staaten eskaliert. Als Folge ist der Ölpreis seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Uwe Zimmer, Geschäftsführer von Fundamental Capital, teilt diese Sorge nicht: "Der Konflikt mit dem Iran wird bestenfalls für einen kurzfristigen Preisanstieg sorgen", ist der Anlageprofi überzeugt. Langfristig sehe die Sache anders aus.

Eine Einschätzung, die offenbar auch die Opec teilt: Sie hat jüngst beschlossen, die Förderkürzungen bei Öl zu verlängern. "Das wäre nicht notwendig, wenn die ölfördernden Nationen einen starken Preisanstieg auch ohne Kürzung des Angebots erwarten würden", erklärt Zimmer. Ein Grund für die Entscheidung des Förderkartells sei die schwächelnde Weltkonjunktur. "Weniger Produktion heißt weniger Ölverbrauch, weniger Nachfrage heißt aber auch niedrigere Preise. Und davor hat die Opec mehr Angst als vor einem Trump'schen Säbelrasseln am Golf", sagt Zimmer.

Trump kommt OPEC gelegen
Den ölfördernden Nationen kommt der Preisanstieg durch die politische Großwetterlage eigentlich sehr gelegen, analysiert der Vermögensexperte. Der Grund: "Die Opec-Staaten zeigen Stärke, indem sie bei der niedrigeren Fördermenge bleiben. Trotzdem kommt das das dringend benötigte Geld in die Kassen", sagt Zimmer.

Gerade große Ölförderer wie Saudi-Arabien oder auch Russland würden frisches Kapital brauchen, um die Löcher in ihren Haushalten zu stopfen. Sie hätten ohne die Drohgebärden aus den USA die Fördermengen sehr wahrscheinlich ausgeweitet. (fp)