Digitale Vermögensverwaltung kann so bequem sein: Mit wenigen Eingaben erhält der Anleger in kürzester Zeit ein komplettes Portfolio erstellt, das zum eigenen Chance-Risiko-Profil passt. Kosten- und Zeitaufwand sind vergleichsweise niedrig, weil sich die Beratung komfortabel vom heimischen PC aus erledigen lässt. Einmal erstellt, übernimmt der Robo-Advisor die Verwaltung des Vermögens – so lautet zumindest das Versprechen der Industrie.

In guten Zeiten mag das auch zutreffen. Andreas Görler, Vermögensprofi bei Wellinvest- Pruschke & Kalm, warnt allerdings vor zu viel Vertrauen. Bahnt sich nämlich ein Abschwung an, erhalten Investoren meist keine individuellen Hinweise von den Robos. Einige Systeme sind zwar in der Lage, einen grundsätzlichen Strategiewechsel vorzuschlagen. "Insbesondere in Krisenzeiten zeigen sich aber die Schwächen solcher Systeme", erklärt Görler. "Dem Herdentrieb folgend dürften sich dann viele Privatanleger wieder verabschieden, wenn es am ungünstigsten ist."

Robos sind gar nicht günstig
Die Befürworter von Robo-Advisory nennen als größten Vorteil gerne die vermeintlich niedrigen Kosten. So richtig billig ist die digitale Vermögensverwalter bei genauem Hinsehen aber gar nicht. Für vollautomatisierte Lösungen zahlen Anleger meistens zwischen 0,75 und 1,0 Prozent Gebühren. "Das ist dann genauso teuer wie bei einigen Finanzberatern oder Vermögensverwaltern – wobei man dort noch auf Zusatzleistungen zurückgreifen kann", sagt Görler. (fp)