Apple zückt den Geldbeutel: Die hübsche Summe von 100 Milliarden US-Dollar will der Computer- und Unterhaltungseletronikgigant aus Kalifornien in den nächsten Monaten springen lassen, um eigene Aktien einzusammeln. Zum Vergleich: Das ist mehr als das, was der Industrieriese Siemens auf die Börsenwaage bringt – und wahrhaftig keine Seltenheit, denn auch andere US-Unternehmen schwimmen zurzeit förmlich im Geld.

Im laufenden Jahr dürften die Aktienrückkäufe in den Vereinigten Staaten daher einen Rekordstand erreichen, meinen Beobachter. US-Unternehmen werden 2018 voraussichtlich insgesamt 800 Milliarden US-Dollar dafür ausgeben, eigene Aktien zu erwerben – vor allem dank der Unternehmenssteuerreform von Präsident Donald Trump, die den Firmen zusätzlich Cash in die Kassen spült. Doch nicht alle Investmentprofis klatschen Applaus.

Die Rückkäufe sind nicht unbedingt eine gute Nachricht, warnt Marc-Oliver Lux von der Münchner Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner. Für langfristig orientierte Anleger könnten sie vielmehr ein Alarmsignal sein: "Sie sind ein Indiz dafür, dass es den Managern an Ideen fehlt, was sie mit dem Geld sonst anfangen können."

Reiner Eigennutz?
Lux hält es auch für möglich, dass viele Manager bloß ihren Bonus steigern wollen, der sich oft an der Höhe des Aktienkurses bemisst. "Wenn Unternehmen mit ihrem Geld Aktien zurückkaufen, verringern sie die Anzahl ihrer Anteilscheine. Das bedeutet: Auch bei geringerer Nachfrage vonseiten der Anleger bleiben die Kurse oben", erklärt der Vermögensprofi.

Hohe Aktienkurse sind in diesem Fall also kein Spiegelbild der exzellenten Unternehmensverfassung, sondern Ergebnis eines künstlich verknappten Aktien-Angebots – und damit reine Kurskosmetik.

"Schwarze Liste"
Aktienrückkäufe sind daher oft ein Armutszeugnis für Unternehmen und ihre strategischen Entscheider, sagt Lux. Schließlich geben sie ihr Geld in diesem Fall nicht dafür aus, neue Technologien zu entwickeln oder neue Märkte zu erschließen, also in ihre geschäftlichge Zukunft zu investieren. 

Der Vermögensverwalter nennt als warnendes Beispiel mehrere Konzerne, die sich seiner Einschätzung nach bereits in der Vergangenheit zu sehr um die Kurspflege gekümmert haben und im Ergebnis heute nur noch ein Schatten ihres einstigen Selbst sind: Zu dieser "Schwarzen Liste" zählen Ikonen wie General Electric, IBM, Nokia, Motorola oder Blackberry. Lux‘ Fazit: "Die Freude der Aktionäre könnte von kurzer Dauer sein." (fp/ps)