Bald ist es so weit: Am 3. September gibt die Deutsche Börse bekannt, welche Unternehmen in den reformierten Dax aufsteigen – und damit den MDax hinter sich lassen. "Der Wermutstropfen der Indexreform ist der Bedeutungsverlust des MDax", sagt Silke Schlünsen, Indexexpertin bei der US-Investmentbank Stifel. Die Vorzeigeunternehmen aus dem Mittelstands-Index wandern über. "Dort fallen sie zunächst kaum ins Gewicht, während ihr Verlust für den MDax schwerwiegend ist", sagt Schlünsen. Die Expertin geht davon aus, dass sich der MDax gegenüber Investoren neu beweisen muss. 

Dabei wird die Umstellung für den Dax wohl vor allem positive Folgen haben. "Unter den zu erwartenden Neumitgliedern sind einige wachstumsstarke Zukunftsunternehmen, die den Index bereichern werden", sagt Schlünsen. Dadurch werde der Dax auch für ausländische Investoren attraktiver. In den nächsten fünf Jahren rechnet die Marktexpertin mit weiteren Verschiebungen bei den Branchenschwerpunkten im Leitindex. "Biotechnologie und Medizintechnik könnten für den Dax perspektivisch das werden, was die Automobilindustrie heute ist", sagt Schlünsen. 

Potenzial nicht unterschätzen
Auch die aktuellen Schwergewichte im Dax haben laut der Expertin Zukunftspotenzial. Gerade die Automobilkonzerne würden zwar noch einen Großteil ihrer Gewinne mit Verbrennern erwirtschaften, doch gleichzeitig große Summen in den Wandel ihrer Geschäftsmodelle investieren. "Den Dax als Old Economy-Index abzutun, wäre daher zu einfach. Das gilt nach den anstehenden Veränderungen umso mehr", sagt Schlünsen. (fp)