Weltweit nähern sich die Leitzinsen einander an, insbesondere mit dem nächsten erwarteten Zinsschritt der US-Fed. Im Euroraum, in Großbritannien und Kanada beträgt der reale Leitzins – Notenbankzins minus Inflation – fast null, erläutert Chris Iggo, CIO Core bei Axa Investment Managers. Er sagt: "Weltweit wird die Geldpolitik Anfang 2026 so locker sein wie seit Ende 2022 nicht mehr."

Kupons statt Kursgewinne
Die niedrigeren und stabilen Zinsen weltweit bestätigen ihn in der Ansicht, dass an den Zinsmärkten künftig vor allem an den Kupons statt mit Kursveränderungen verdient wird. Inflation und Fiskalpolitik bleiben zwar Risikofaktoren, ohne einen sehr viel schwächeren Haushaltsausblick dürften sich aber die wichtigsten Staatsanleihenrenditen nicht allzu sehr auseinanderentwickeln.

Die Zinskonvergenz habe auch Auswirkungen auf währungsübergreifende Strategien. In den vergangenen Jahren war die Absicherung von Dollar-Risiken für Anleger aus dem Euroraum teuer. Mit den Zinsänderungen der Fed ändert sich das. Die Folge: "US-Anleihen abgesichert in Euro sind heute so attraktiv wie lange nicht mehr."

Mehr Risiko lohnt sich kaum
Gute Chancen sieht er auch bei Unternehmensanleihen. Wegen der engen Spreads müssen Anleger hier nur auf wenig Rendite verzichten, wenn sie die Kreditqualität ihres Portfolios anheben. Die Renditedifferenz zwischen europäischen Investment-Grade-Anleihen mit "BBB"- und "AA"-Rating betrage zurzeit gerade einmal 38 Basispunkte. In den USA liegt der Abstand bei etwa 50 Basispunkten, ebenfalls ein Tiefststand.

Der Axa-IM-CIO sagt: "Wenn Anleger zu hohe Bewertungen und Volatilität fürchten, können sie sich auch bei einer besseren Kreditqualität ordentliche Renditen sichern." Mit anderen Worten: Mehr Risiko wird kaum entlohnt. (jh)