Die Volatilität bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Gold und Öl ist aktuell mindestens so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Das zeigen Daten von Sundial Capital Research, über die die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet. "Die Volatilität von allem nimmt rasant zu", konstatiert Jason Goepfert von Sundial in einer Analyse. "Einen so unglaublichen Schub" marktübergreifender Erschütterungen "hatten wir in den letzten 30 Jahren selten".

Es drohen noch mehr Verkäufe
Bislang gibt es nur wenige Anzeichen für eine regelrechte Panik, doch es besteht die Gefahr, dass sich die Verkäufe häufen. Viele große Vermögensverwalter arbeiten nach komplexen Risikomanagement-Regeln, erinnert Bloomberg. Steigende Volatilität bewirkt häufig, dass Vermögenswerte aus dem Portfolio genommen werden müssen. Solche Verkaufsphasen werden in Anlehnung an das von vielen Profianlegern benutzten "Value at Risk"-Modell (VAR) als VAR-Schock bezeichnet. Der "Value at Risk" beschreibt den maximal zu erwartenden Wertverlust eines Portfolios, der mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit innerhalb der Halteperiode nicht überschritten wird.

Am Markt wächst die Sorge, dass die höheren Rohstoffpreise die Zuversicht der Verbraucher mindern werden. Der S&P 500 verzeichnete den stärksten Rückgang seit 2020. Ein Grund dafür sind Sorgen über die Folgen der Inflation, die sich weiter beschleunigen dürfte. Der Nasdaq Composite Index ist nach seinem Rekordhoch inzwischen um mehr als 20 Prozent gefallen, das gleiche gilt für den Dax. Bei einem Kursrutsch dieser Größenordnung sprechen Börsianer von einem "Bärenmarkt".

"Die Marktvolatilität wird von völlig unvorhersehbaren Ereignissen angetrieben", heißt es laut in einer Analyse von 22V Research. "Und das wird so lange so bleiben, bis es eine kurzfristige Lösung für den Krieg in der Ukraine gibt."
 

Immer höhere Volatilitäten

Der CBOE Volatilitätsindex VIX, der die impliziten Kursschwankungen im US-Börsenbarometer S&P 500 abbildet, ist auf den höchsten Stand seit Anfang 2021 geklettert. Der ICE BofA MOVE Index für US-Treasuries liegt inzwischen auf einem Niveau, das zuletzt auf dem Höhepunkt des "Corona-Crashs" im März 2020 zu beobachten war. Der JPMorgan Global FX Volatility Index hat ebenfalls den höchsten Stand seit 2020 erreicht.


"Extreme Anspannung"
Aktien-, Staatsanleihen- und Rohstoffmärkte zeigten in puncto Volatilität "extreme Anspannung", schreiben Anlagestrategen der Credit Suisse unter der Leitung von Mandy Xu in einer am Montag veröffentlichten Analyse. Die Lage an den Devisenmärkten und bei den Unternehmensanleihen sei im Vergleich besser. "Alles spricht dafür, zu verkaufen und in Cash zu gehen", sagt Danny Kirsch, Chef des Optionsbereichs bei Piper Sandler & Co. "Die Stimmung ist einfach super mies." (Bloomberg/aa)