Analyst: Warum der Blick auf Anleihe-Renditen täuschen kann
Anleihen gelten als planbare Anlageform. Doch längst nicht immer geben die aktuellen Renditen Aufschluss über die gesamte Wertentwicklung eines Rentenportfolios, zeigt Pascal Kielkopf von HQ Trust in einer Analyse. Viel hängt vom Anlagehorizont ab.
Aktuelle Anleihe-Renditen geben keine verlässlichen Signale für die kurzfristige Performance eines Bondportfolios. Dafür lassen sich aus den Renditen aber für die langfristige Entwicklung aussagekräftige Hinweise ablesen. Zu diesem Ergebnis kommt Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege beim Family Office HQ Trust. Er hat die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit der Wertentwicklung eines Index verglichen, der fortlaufend in Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren investiert. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum seit 1980.
Hintergrund ist die Überlegung, dass bei Anleihen üblicherweise beim Kauf sowohl der Kupon als auch die Laufzeit feststehen und somit planbare Einnahmen kalkuliert werden können. In der Praxis benötigen Anleger das Kapital jedoch selten genau am Fälligkeitstag. Daher legen Investoren die Auszahlungen auslaufender Anleihen wieder an oder investieren in Fonds oder ETFs. Kupons und Rückzahlungen werden dabei zu den jeweils aktuellen Marktzinsen erneut investiert. Sparer unterliegen damit einem Wiederanlage- und Zinsrisiko.
Kurzfristige Schwankungen
"Auf Sicht eines Jahres lässt sich die Performance lang laufender Anleihen kaum aus der anfänglichen Rendite ableiten", hält Kielkopf fest. "Veränderungen des Zinsniveaus dominieren das Ergebnis." So schwankte die Ein-Jahres-Performance des zehnjährigen Bundesanleiheindex seit 1980 zwischen hohen zweistelligen Gewinnen und Verlusten von zeitweise mehr als 20 Prozent.
"Besonders deutlich wurde das Laufzeitrisiko im Jahr 2022", berichtet der Analyst. "Der abrupte Anstieg der Renditen führte bei lang laufenden Bundesanleihen zu erheblichen Kursverlusten, obwohl das Ausfallrisiko Deutschlands unverändert gering war."
Über längere Zeiträume würden die kurzfristigen Kursbewegungen jedoch an Bedeutung verlieren, führt Kielkopf aus. Die realisierte Zehn-Jahres-Performance des Bundesanleiheindex liege meist relativ nah an der zu Beginn beobachtbaren Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. "Die Ausgangsrendite ist deshalb kein verlässlicher Indikator für die Performance des nächsten Jahres, gibt aber eine deutlich bessere Orientierung für die längerfristig zu erwartende Rendite", so der HQ-Trust-Experte.
Keine sichere Rendite
"Anleger sollten die Rendite lang laufender Anleihen nicht mit einer sicheren Rendite für das kommende Jahr verwechseln", folgert Kielkopf. "Kurzfristig kann die tatsächliche Performance erheblich davon abweichen." Wer das investierte Kapital bereits in den kommenden Jahren benötigt, sollte daher keine ausgeprägten Laufzeitrisiken eingehen, empfiehlt der Experte. "Anleger mit einem ausreichend langen Anlagehorizont können mit einem Teil ihres Anleiheportfolios bewusst auch in längere Laufzeiten investieren und damit meist höhere laufende Renditen vereinnahmen."
In einem breit aufgestellten Anleiheportfolio sei eine Mischung unterschiedlicher Laufzeiten meist sinnvoll. "Kürzere Anleihen reduzieren die kurzfristigen Schwankungen, während längere Laufzeiten höhere Renditechancen und stärkere Kursgewinne bei fallenden Zinsen bieten können", resümiert Kielkopf. (fp)















