Analyst: Ein Index allein umfasst nicht die gesamte Weltwirtschaft
Der MSCI World gilt vielen Anlegern nicht nur als Messlatte, sondern über entsprechende Produkte auch als Investmentvehikel. Doch der MSCI World ist kein Weltindex, mahnt HQ-Trust-Analyst Pascal Kielkopf. Denn ein wichtiger Block fehlt in dem Barometer.
Unter Anlegern ist der MSCI World ein beliebter Index. Doch wer allein auf dieses Barometer setzt, schöpft nicht das gesamte Renditepotenzial des weltweiten Aktienmarktes aus. Das meint Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust. Denn: "Der MSCI World ist kein Weltindex, sondern bildet ausschließlich Industrieländer ab – hauptsächlich die USA, Europa und Japan", erläutert Pascal Kielkopf. "Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien fehlen hier komplett."
"Im Klartext heißt das: Der Index enthält null Prozent Schwellenländer, dafür aber rund 70 Prozent USA", führt Kielkopf aus. "Wer ihn als alleinige Basis nutzt, bekommt faktisch ein Portfolio, in dem US-Technologiewerte den dominantesten Anteil ausmachen." Zudem mahnt der Kapitalmarktprofi mit Blick auf die Wirtschaftsleistung: "Wer sein gesamtes Aktienportfolio allein über den MSCI World abbildet, verzichtet bewusst oder unbewusst auf rund die Hälfte der Weltwirtschaft."
"Zum Preis stärkerer Kursschwankungen"
Das schlägt sich auch in der Performance nieder, so Kielkopf. Er stützt sich auf einen Vergleich der Entwicklung des MSCI World mit jener des MSCI Emerging Markets seit dessen Auflage Anfang 1988. Seither erzielte der Schwellenländer-Index rund zehn Prozent per annum, der MSCI World dagegen 8,5 Prozent. "Und das trotz der starken Dominanz der US-Technologiewerte in den vergangenen 15 Jahren", erinnert der Analyst.
"Langfristig erzielten Schwellenländeraktien eine höhere Rendite als Industrieländeraktien", folgert Kielkopf. "Allerdings zum Preis deutlich stärkerer Kursschwankungen." So liegt die historische Volatilität bei Schwellenländern bei 22 Prozent per annum, im MSCI World dagegen bei 15 Prozent. "In den letzten Jahren fiel diese Differenz allerdings immer geringer aus", merkt der Investmentprofi aber an.
"Kaum präzise zu timen"
"Beide Regionen haben langfristig ihre Berechtigung im Portfolio", betont der HQ-Trust-Mann. "Es ist weder optimal, ausschließlich auf Schwellenländer noch allein auf Industrieländer zu setzen." Zudem verlaufe die Performance beider Regionen in ausgeprägten Zyklen. "Mal liegen die Industrieländer vorn, mal die Schwellenländer", erläutert Kielkopf.
Diese Phasen dauern oft mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte. "Die Zyklen der Out- und Underperformance sind kaum präzise zu timen", betont der Experte. "Daher ist es besser, dauerhaft in beiden Segmenten investiert zu bleiben, statt auf den perfekten Wechselzeitpunkt zu spekulieren." (fp)















