Die Gold- und Silberpreise sind nach der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole am Freitag (28.8.) deutlich gesunken. Die fundamentalen Rahmenbedingungen für beide Metalle seien jedoch unverändert, meint Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär. 

Der Fed-Chair bekräftigte in Jackson Hole das Risiko eines anhaltenden Inflationsdrucks sowie die Möglichkeit einer Zinserhöhung. Gold und Silber fielen nach der Rede gegenüber ihren Tageshöchstständen um bis zu vier respektive sieben Prozent, wie Menke in einer aktuellen Markteinschätzung schreibt: "Dies zeigt zwar einmal mehr, wie stark sich die Märkte derzeit auf die Aussichten für das US-Wachstum und die US-Geldpolitik konzentrieren, allerdings sehen wir in Warshs Rede keine grundlegende Veränderung."

Julius Bär erwartet keine US-Zinserhöhung
Die Experten von Julius Bär erwarten weiterhin keine Zinserhöhung durch die Fed, da der Inflationsdruck nachlassen dürfte. "Abgesehen von kurzfristigen und vorwiegend stimmungsgetriebenen Kursschwankungen sind Klarheit und Überzeugung hinsichtlich der US-Geldpolitik entscheidend für die längerfristige Nachfrage der Anleger nach Gold und Silber", so Menke. Gleichzeitig seien die Sorgen um die US-Schuldenlast und die Zinslast wieder stärker in den Vordergrund gerückt, was den Edelmetallen Auftrieb verleihe.

Gold aussichtsreicher als Silber
"Unserer Ansicht nach sind die Argumente für Gold nach wie vor klarer als die für Silber", betont Menke. Gold profitiere von den Käufen der Zentralbanken als starkem strukturellen Nachfragefaktor, den Silber nicht für sich beanspruchen könne.

Im Gegensatz dazu spürt Silber laut Einschätzung Menkes die Nachwirkungen des spekulationsgetriebenen Rausches, was Anleger dazu veranlassen könnte, sich zurückzuhalten, nachdem viele von ihnen hohe Verluste erlitten haben.

Menke und seine Kollegen rechnen zudem mit einem Rückgang der industriellen Silbernachfrage. Eine Umstellung auf kostengünstigere Alternativen wie Aluminium und Kupfer habe begonnen, und die Wachstumsaussichten für chinesische Solarmodulhersteller, die größten industriellen Silberverbraucher, seien rückläufig.

Volatilität dürfte hoch bleiben
"Wir bekräftigen daher unsere konstruktive Einschätzung für Gold. Gleichzeitig bleiben wir bei Silber neutral und halten an unserer Long-Position im Gold-Silber-Verhältnis fest. Die Volatilität dürfte hoch bleiben, was auf Überraschungen bei den US-Konjunkturdaten und die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden deutlich weniger Forward Guidance gibt", erklärt Menke. (aa)