Je näher die US-Präsidentschaftswahl im November rückt, desto mehr überbieten sich Marktbeobachter mit Prognosen, welches Ergebnis besser für die Aktienkurse sein wird. Dabei sind Glaubensfragen für den Verlauf der Kurse irrelevant, schreibt Morningstar-Analyst John Rekenthaler. Er hat sich die Performance des US-Index Dow Jones Industrial Average während der ersten drei Jahre der Amtszeit der letzten zehn Präsidenten angeschaut und ein Ranking erstellt, unter welchen Präsidenten das Kursbarometer am stärksten zugelegt hat. Die Plätze 1 bis 3 gingen an Bill Clinton (Demokrat), Dwight Eisenhower (Republikaner) und Barack Obama (Demokrat), Platz 9 an Richard Nixon (Republikaner) und Platz 10 an Jimmy Carter (Demokrat).

Rekenthalers Fazit: Der Effekt, der diese Liste dominiert, ist nicht die Parteizugehörigkeit, sondern das Timing des jeweiligen Präsidenten. "Abgesehen von George W. Bush, der das Pech hatte, sowohl den Niedergang der Technologieaktien als auch die Finanzkrise von 2008 abzubekommen, fielen die schlechtesten Ergebnisse auf die 1960er, 1970er und 1980er Jahre, die von Inflationssorgen geprägt waren", erklärt der Analyst. Die besten Leistungen kamen dagegen zur Zeit jener Staatsoberhäupter, die jeweils zu Beginn und am Ende dieses Zeitraums zur Stelle waren.

Wenig Einfluss auch auf die Wirtschaft
Dasselbe gilt laut Rekenthaler für Anleihen. In den letzten acht Jahren wurde für zehnjährige Schatzanweisungen der höchste Preis seit Präsident Eisenhower erzielt – also sowohl während der zweiten Amtszeit von Präsident Obama als auch der aktuellen Ära von Präsident Trump.

Der Morningstar-Analyst geht sogar noch einen Schritt weiter. Für ihn haben die Präsidentschaftswahlen auch kaum Einfluss auf den Konjunkturverlauf. "Im Laufe der Jahre habe ich zahllose Wirtschaftsprognosen gesehen, die auf politischen Überzeugungen beruhten, mit Behauptungen über die Auswirkungen und Änderungen des Steuerrechts, Änderungen der Regulierung, der Handelspolitik und so weiter", sagt Rekenthaler. Keine dieser Vorhersagen über derartige Zusammenhänge sei eingetreten.

Der Grund: Hinter solchen Behauptungen verbirgt sich zumeist keine Wissenschaft. Laut Rekenthaler könne man eine Wirtschaft nicht in ein Labor stecken, ein einzelnes Element kontrollieren und dann Simulationen durchführen, um die Bedeutung dieses Faktors zu beurteilen. Stattdessen müsse man Korrelationen messen, die viele Faktoren und wenige Datenpunkte enthalten. "Es ist unvermeidlich, dass die Ergebnisse eher suggestiv als statistisch signifikant sind." (fp)