Eine Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran würde sich für die deutsche Wirtschaft stärker auszahlen als für viele andere Volkswirtschaften, so das Ergebnis einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2027 um bis zu 0,8 Prozent höher ausfallen, wenn die Ölpreise infolge einer Öffnung der Straße von Hormus deutlich sinken.

Grundlage der Berechnungen sind verschiedene Szenarien für die Entwicklung des Ölpreises. Fällt der Preis ab dem dritten Quartal 2026 auf 60 US-Dollar, würde das deutsche BIP laut IW bereits im laufenden Jahr um 0,1 Prozent höher ausfallen. 2027 könnte der Wachstumseffekt auf 0,8 Prozent steigen. Referenzszenario ist ein anhaltender Konflikt und ein Ölpreis von 100 Dollar je Barrel. 

Spürbar auch bei geringerer Ölpreis-Senkung 
Selbst ein weniger starker Rückgang des Ölpreises hätte positive Auswirkungen. Bei einem Preis von 80 Dollar je Barrel würde die deutsche Wirtschaftsleistung 2027 nach IW-Berechnungen immer noch um rund 0,4 Prozent höher ausfallen.

Damit würde Deutschland stärker profitieren als die Weltwirtschaft insgesamt. Für die Europäische Union erwarten die Ökonomen bei einem Ölpreis von 60 Dollar ein zusätzliches Wachstum von 0,7 Prozent im Jahr 2027. Für die Weltwirtschaft errechnet das IW einen Effekt von 0,6 Prozent. Bei einem Ölpreis von 80 Dollar lägen die Wachstumsimpulse für EU und Weltwirtschaft jeweils bei rund 0,3 Prozent.

Deutschland profitiert laut IW aufgrund seiner starken Einbindung in die Weltwirtschaft überdurchschnittlich von sinkenden Energiepreisen und einer Belebung des internationalen Handels.

Normalisierung wird dauern 
Die IW-Ökonomen warnen allerdings vor übertriebenem Optimismus. Auch bei einer dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus werde die Rückkehr zur Normalität Zeit benötigen. Im Iran müssten beschädigte Förderanlagen, Raffinerien und Exportterminals teilweise erst wieder aufgebaut werden. Zudem dürfte die Nachfrage nach Öl hoch bleiben, wenn zahlreiche Staaten ihre strategischen Reserven wieder auffüllen. Hinzu kommt politische Unsicherheit. Die Stabilität einer möglichen Einigung sei keineswegs garantiert. (dv)