Die großen US-Banken eröffnen traditionell die Berichtssaison. Oft wird angenommen, dass ihre Ergebnisse aufgrund ihrer breiten wirtschaftlichen Verflechtung Hinweise auf die konjunkturelle Gesamtlage und damit den weiteren Verlauf der Berichtssaison liefern. HQ-Trust-Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf hat geprüft, ob diese These zutrifft.

Positive Überraschung, positive Berichtssaison
Für seine Untersuchung berechnete der Analyst zunächst die "Gewinnüberraschung" von zehn großen US-Banken, die immer in der ersten Woche der Berichtssaison melden. Wie er dabei vorging, zeigt ein Beispiel: Bei der Bank of America erwarteten die Analysten fürs dritte Quartal 2025 im Schnitt einen Gewinn von 95 US-Cent pro Aktie – da die Bank ein Ergebnis von 1,06 US-Dollar vorlegte, lag die Gewinnüberraschung bei elf Prozent.

Diese Berechnung führte Kielkopf für alle zehn Großbanken durch und ermittelte dann den Durchschnitt. Dem stellte er den Anteil aller S&P-500-Unternehmen gegenüber, welche die Gewinnerwartungen in der jeweiligen US-Berichtssaison schlagen konnten. Als Zeitraum betrachtete er die vergangenen zehn Jahre bis zum dritten Quartal 2025 und damit 40 Berichtssaisons.

Banken sind ein guter Frühindikator
Sein Ergebnis: "In der Tendenz sind die Banken ein guter Frühindikator für den restlichen Verlauf der US-Berichtssaison." Wenn die Banken positiv überraschten, setzte sich das oft auch für die komplette Earnings Season fort. Blieben die Ergebnisse der Banken dagegen hinter den Erwartungen zurück, enttäuschten auch insgesamt mehr Unternehmen. "Überdurchschnittlich gut fielen die Berichtssaisons aus, wenn die Banken die Gewinnschätzungen im Schnitt um mehr als zehn Prozent schlagen konnten", so Kielkopf.

Auch in der aktuellen Berichtssaison schnitten die Banken mit durchschnittlich 11,7 Prozent Gewinnüberraschung gut ab – und bis Anfang der laufenden Woche konnten mit 81 Prozent der Unternehmen bereits überdurchschnittlich viele die Erwartungen übertreffen.

Keine Garantie für weiter steigende Kurse
Im langjährigen Schnitt schlagen 76,5 Prozent der Firmen die Erwartungen. "Wenn 70 Prozent der Unternehmen die Erwartungen schlagen konnten, klingt das viel, ist bezogen auf die letzten Jahre jedoch eher wenig", erläutert Kielkopf. Und er ergänzt: "Wenn viele Unternehmen besser als erwartete Ergebnisse melden konnten, ist dies jedoch noch keine Garantie für weiter steigende Kurse, da die zukünftigen Ausblicke oft deutlich entscheidender sind." (jh)