"Konstruktives Risiko" – so charakterisiert Amundi seine Anlageüberzeugung für 2026. Der französische Asset Manager erwartet eine Fortsetzung des aktuellen Wirtschaftszyklus, geprägt von Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften gegenüber der restriktiveren Zollpolitik, hohen Technologieinvestitionen, einer Neuausrichtung der Industriepolitik und geldpolitischer Lockerung. 

Die Wahrscheinlichkeit für das Basis-Szenario eines "robusten Wachstums inmitten kontrollierter Unordnung" beziffert Amundi auf 60 Prozent, wie Deutschland-CIO Thomas Kruse am Dienstag (2.12.) in Frankfurt erläuterte. Er wies aber darauf hin, dass die 30 Prozent, mit denen der Asset Manager das Risiko seines Abwärts-Szenarios einschätzt, "relativ viel" seien. 

Diversifizierung ist zentral 
Amundi sieht mehrere mögliche Auslöser für einen politischen oder finanziellen Schock, darunter politische Instabilität, Liquiditätsverknappung oder ausufernde Inflationserwartungen. Die Chance für ein Up-Szenario, in dem die Fiskalpolitik einen Aufschwung auslöst und sich die geopolitische Lage entspannt, liegt laut Amundi bei nur zehn Prozent. 

In diesem Umfeld komme es vor allem auf Diversifizierung an, sagte Helen Windischbauer, Leiterin Multi Asset Solutions bei Amundi Deutschland. Die hohen Bewertungen und die Konzentration auf wenige Einzeltitel an einigen Aktienmärkten nannte sie als wesentliches Risiko, da jede Enttäuschung eine Korrektur auslösen könne. 

Europa, Schwellenländer, Gold 
Während die dominierenden US-Technologiewerte besonders hoch bewertet seien, seien die Aktienmärkte Europas und der Schwellenländer relativ günstig und attraktiv, so Windischbauer. Die USA böten weiterhin Chancen, über die "Magnificent Seven" hinaus. Denn einerseits belasteten die hohen KI-bezogenen Ausgaben deren Margen, andererseits begännen die KI-Investitionen, auch andere Sektoren wie Industrie und Versorger zu stützen. 

Gold sei trotz der zurückliegenden Rally zur Diversifikation und Absicherung gut geeignet. "Investoren sind noch nicht überinvestiert", sagte Windischbauer. Das Edelmetall werde bei institutionellen Investoren, Privatanlegern und Zentralbanken weiterhin als sicherer Hafen gefragt sein. (dv)