Die italienische Regierung hat aktuell mit vielen Baustellen zu kämpfen. Erst vor Kurzem musste sie ihre BIP-Wachstumsprognose für 2019 nach unten korrigieren. Zwar rechnet die Regierung immerhin noch mit einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings dürfte der Zuwachs nur mit höheren Ausgaben und entsprechend höheren Schulden "erkauft" werden. "Aktuell geht die Regierung von einem steigenden Haushaltsdefizit für 2019 aus – von 2,0 Prozent auf 2,4 Prozent des BIP", sagt Thomas Kurse, Chefanlagestratege bei Amundi Deutschland.

Für Investoren sind die Aussichten im Land aber nicht durchweg schlecht. Italienische Staatsanleihen sind wieder gefragt. "Nach einem schwierigen Jahresende 2018 hat sich die Nachfrage im ersten Quartal deutlich erholt, insbesondere bei ausländischen Investoren", sagt Kurse. Als Gründe für das steigende Interesse nennt der Anlageprofi die Einigung mit der EU über den Haushalt, die entspannten Reaktionen der Ratingagenturen sowie die neue Mitteilung der Europäischen Zentralbank über ihren geldpolitischen Kurs.

Vorsicht bei italienischen Aktien
Bei Aktien sollten Anleger laut Kurse vorsichtig sein. Zwar wies der italienische Aktienmarkt seit Jahresbeginn die beste Performance in Europa auf, wie nachhaltig diese Entwicklung ist, müsse sich aber noch zeigen. "Die Berichtssaison mit den Ergebnissen des ersten Quartals und den Prognosen wird entscheidend sein, um die Solidität der Fundamentaldaten zu bestätigen und eine weitere Neubewertung im Vorfeld der Europawahlen zu erleichtern", sagt Kurse.

Kurzfristig dürften die nach wie vor hohen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten die Unternehmen belasten. Langfristig aber könnten sich Chancen ergeben, wenn die globale Wirtschaft wieder anzieht. (fp)