Das laufende Jahr hält wohl so manche Überraschung bereit, prophezeit Pascal Blanqué, Chefstratege von Amundi. Als Unsicherheitsfaktoren nennt er unter anderem die US-Präsidentschaftswahlen und die Lage in den Schwellenländern, die vom Handelskrieg und dem Coronavirus in die Zange genommen werden. "Statt zu versuchen, das Unvorhersagbare vorherzusagen, sollten sich Anleger darauf konzentrieren, ein widerstandsfähiges Portfolio auf der Grundlage von fünf Prinzipien aufzubauen", rät Blanqué.

Das erste Prinzip: "Anleger sollten die zyklische Erholung der ersten Jahreshälfte nutzen", so der Amundi-Experte. Er betrachtet derzeit vor allem Value-Aktien aus Europa optimistisch. Auf der Anleiheseite sollten Investoren dagegen Vorsicht walten lassen: Die Bondrenditen könnten die Talsohle erreichen. Als zweites sollten Anleger Chancen in den Schwellenländern ergreifen. "Eine mögliche Abwertung des US-Dollars würde Investitionen unterstützen, insbesondere in Lokalwährungskrediten", erklärt Blanqué.

Mehr Nachhaltigkeit wagen
Die dritte Anlageregel für 2020: Sich gegen Extremereignisse absichern. Sollte der Handelskrieg wiederaufflammen, würde das eine Rezession auslösen, warnt der Stratege. Mit der Hausse an den Aktienmärkten wäre es dann vorbei. Im Positiv-Szenario würde ein fiskalischer Stimulus zugunsten einer grüneren und sozialeren Wirtschaft nachhaltigen Aktien Rückenwind verschaffen, aber wiederum die Anleiherenditen unter Druck setzen.

Aus dem dritten folgt das vierte Anlageprinzip: Investoren sollten einen ausreichend großen Liquiditätspuffer vorhalten, um sich gegen unerwartete Ereignisse abzusichern. Zuletzt sollten sie ihre ESG-Investitionen ausweiten, rät Blanqué – sowohl, um risikobereinigte Erträge zu erwirtschaften, als auch, um den Druck auf die Öko- und die sozialen Systeme nicht noch weiter zu erhöhen. (fp)