Es ist paradox: Obwohl nach wie vor offen ist, wie lange die Corona-Krise dauert und was die langfristigen Folgen sein werden, präsentieren sich die Kapitalmärkte erstaunlich gelassen. Pascal Blanqué und Vincent Mortier, Anlagestrategen beim französischen Asset Manager Amundi, warnen davor, die Ruhe als Zeichen dafür zu sehen, dass das Schlimmste überstanden ist. "Anleger sollten wachsam bleiben, da das aktuelle Marktniveau immer noch ein zu gutes und zu schnelles Ende der Krise einpreist", schreiben die Experten in ihrem aktuellen Marktbericht.

Sollten sich die Hoffnungen nicht wie erwartet erfüllen, dürften die Spannungen an die Märkte zurückkehren. Die enormen fiskalischen und monetären Maßnahmen betrachten die Experten als Versicherungspolice für die nächsten sechs Monate. "Sollte sich die Rezession jedoch als schlimmer als erwartet herausstellen, werden die Märkte mehr brauchen und jede Enttäuschung wird eine Korrektur auslösen", fürchten die Experten.

Nicht den Bullen nachjagen
Die Risiken zeigen sich exemplarisch bei den Unternehmensausfällen. Zwar hätten die Kapitalmärkte eine erste Pleitewelle bereits eingeplant, jedoch keine zweite Welle für Vermögenswerte, bei denen die Entwicklung traditionell langsamer verläuft. "Das Missverhältnis zwischen Markthoffnung und wirtschaftlicher und pandemischer Realität bestätigt unsere Überzeugung, dass dies eine Zeit ist, in der man vorsichtig bleiben sollte", so Blanqué und Mortiern. Anleger sollten nicht den Bullen nachjagen, sondern schrittweise und selektiv auf Anlagethemen setzen, die auf einen langsamen Weg zur Erholung ausgerichtet sind. (fp)