Dividenden-Fans blicken auf ein desaströses Jahr zurück. Die Ausschüttungen europäischer Unternehmen sind 2020 regelrecht eingebrochen. Nach 360 Milliarden Euro im Vorjahr zahlten Firmen zuletzt knapp 290 Milliarden Euro an Dividenden, hat Allianz Global Investors (Allianz GI) ausgerechnet. Angesichts der Corona-Pandemie und der unklaren Geschäftsentwicklung kürzten viele Unternehmen ihre Ausschüttung oder ließen sie komplett ausfallen. Wer Staatshilfe bekam, durfte gar keine Dividende zahlen. Insgesamt schütteten im vergangenen Jahr laut Allianz GI nur knapp drei von vier europäischen Unternehmen überhaupt Gewinne an Aktionäre aus – nach mehr als 90 Prozent in den Vorjahren.

Im laufenden Jahr dürfte sich die Lage für Anleger, die eine Dividendenstrategie verfolgen, wieder bessern – jedenfalls ein bisschen. "Ähnlich wie beim Konjunkturbild erwarten wir auch für die Dividendenausschüttungen 2021 keine V-förmige Entwicklung, sondern nur eine teilweise Erholung vom vorhergehenden Fall", sagt Jörg de Vries-Hippen, Anlagechef für europäische Aktien bei Allianz GI. Seine Prognose: Auf den zirka 20-prozentigen Dividendenrückgang dürfte in diesem Jahr ein Anstieg um rund 15 Prozent folgen, sodass das Ausschüttungsniveau von zuletzt 290 Milliarden Euro auf rund 330 Milliarden Euro steigt. "Das Niveau von vor der Corona-Krise dürfte aber frühestens 2022 wieder erreicht werden."

Sektor-Allokation gewinnt an Bedeutung
Zwischen einzelnen Branchen sieht de Vries-Hippen allerdings deutliche Unterschiede. Er weist darauf hin, dass der Gesundheitssektor und auch Versorger ihre Ausschüttungen während der Krise sogar steigern konnten und diesen Kurs fortsetzen dürften. Anders sieht es bei zyklischen Konsum- und Industriegüterunternehmen aus: Diese werden ihre Dividendenzahlungen wohl nur im Zuge einer allgemeinen Konjunkturerholung anheben können, prognostiziert der Anlageexperte. "Und Sektoren wie Energie oder Finanzdienstleister werden wohl noch länger hinter den vorherigen Hochs zurückbleiben."

Immerhin: Trotz des Einbruchs trugen Dividenden in Europa auch im vergangenen Jahr einen guten Teil zur Gesamtrendite von Aktien bei. Die Dividendenrendite sank zwar gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um rund einen Prozentpunkt. Sie lag aber immer noch deutlich über den Nominalrenditen vieler Anleihen. So wiesen zum Beispiel zehnjährige deutsche Staatsanleihen über das gesamte Jahr 2020 hinweg eine leicht negative Rendite aus. (fp)