Die Rendite der Bundesanleihen sind überwiegend negativ, dem Staat wird damit quasi Geld geschenkt. Wenn sich eine Regierung sogar umsonst refinanzieren kann, dann sollte sie diese Möglichkeit auch in Erwägung ziehen – und investieren. Davon ist Andreas Utermann, Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Allianz Global Investors, überzeugt. "Ein Versteigen auf eine schwarze Null beim Staatshaushalt macht keinen Sinn", sagt Utermann im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

US-Ökonomen wie Paul Krugman würden schon seit langer Zeit von den Deutschen fordern, mehr Schulden zu machen. Deutschland war dagegen, weil "wir die Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns hochhalten", erklärt Utermann. Vor einigen Jahren war diese These außerdem noch gewagter als heute, weil in der Euro-Zone Südeuropa gerettet werden musste. "Heute haben wir eine andere Lage", sagt der Allianz-GI-Chef. Vielen Ländern gehe es wieder besser. Deutschland dagegen ächzt unter zu hohen Steuern und Sozialkosten, gleichzeitig investiert das Land immer weniger in Infrastruktur. Das sei falsch, sagt Utermann.

Bundrenditen könnten weiter fallen
Die Zinsen in Europa dürften seiner Einschätzung nachweiterhin niedrig bleiben, weil auch die Inflation im Euroraum nicht anzieht. "Wir brauchen Wachstum und Beschäftigung", sagt der Allianz-GI-Chef. Und ohne Inflation könne kein Notenbanker die Geldpolitik straffen. Ob die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe 2020 weiter sinken wird, sei kaum vorherzusagen. Utermann will es aber auch nicht ausschließen. "Das Beispiel Japan hat uns gezeigt, dass Renditen sogar über Jahrzehnte immer tiefer fallen können." (fp)