Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat Medienberichten zufolge die komplette Führungsmannschaft des türkischen Staatsfonds Türk Varlik Fonu gefeuert und einen neuen Vorsitzenden ernannt: sich selbst. Der Fonds wurde vor zwei Jahren eingerichtet, um den Staatshaushalt nach dem Putschversuch im Jahr 2016 zu sanieren. Darin gebündelt sind die Anteile, die der Staat an diversen Unternehmen hält. Das Geld aus dem Fonds soll unter anderem für Infrastrukturprojekte verwendet werden. Dafür verleiht der Fonds auch schon einmal Summen in Milliardenhöhe, ohne Zinsen zu verlangen.

Erdogan hat nun alle sieben Vorstandsposten neu besetzt, meldet das "Handelsblatt". Neuer Generaldirektor ist Zafer Sonmez, der beim malaysischen Staatsfonds für die Türkei und Afrika verantwortlich ist. Auch seinen Schwiegersohn Berat Albayrak, der bereits den Posten des türkischen Finanzminister innehat, hat Erdogan in den Vorstand des Staatsfonds gehievt. Mit diesem Schritt sowie der Selbst-Ernennung zum Fonds-Chef baut Erdogan seinen Einfluss auf die türkische Wirtschaft weiter aus.

Erdogan ist überall
Der türkische Präsident hatte bereits seit längerem kritisiert, dass der Staatsfonds seine Ziele nicht erreiche und ihm eine klare Strategie fehle. Nun steht er selbst an der Spitze einer weiteren wichtigen Institution in der Türkei. Internationale Investoren sehen diese Entwicklung mit Sorge, so die "Süddeutsche Zeitung". Als Chef des Staatsfonds kann Erdogan mit der Zentralbank und anderen staatlichen Organisationen verhandeln. Der Präsident versucht bereits seit einiger Zeit, auch seinen Einfluss auf die türkische Notenbank auszubauen. (fp)