Aktienexperten: Healthcare gegen das KI-Klumpenrisiko
Die Dominanz von KI- und Halbleiterwerten erhöht nach Einschätzung von Janus Henderson die Attraktivität des Gesundheitssektors als Diversifikationsbaustein. Geringe Korrelation zu Technologie, günstige Bewertungen und anhaltende Innovationen sprächen für Healthcare-Aktien.
Während Technologie- und KI-Aktien die Börsenentwicklung dominieren, sieht Janus Henderson Investors im Gesundheitssektor wieder attraktives Aufholpotenzial. Die Portfoliomanager Andy Acker und Dan Lyons führen dies vor allem auf die Diversifikationseigenschaften des Sektors sowie günstige Bewertungen einzelner Teilbereiche zurück. "Wir sind der Ansicht, dass die relative Underperformance des Gesundheitssektors eher auf Stimmungsschwankungen als auf eine Verschlechterung der Fundamentaldaten hindeutet", so die Portfoliomanager in einem Kommentar.
"Phasen der Volatilität haben den Wert des Gesundheitssektors als potenzielle Quelle für Diversifizierung und differenzierte Erträge offenbart", heißt es dort weiter. Nach Angaben von Janus Henderson übertraf der MSCI World Health Care Index an den 13 Handelstagen des ersten Halbjahres 2026, an denen der MSCI World Information Technology Index um mindestens zwei Prozent nachgab, den Technologiesektor im Durchschnitt um 2,6 Prozentpunkte. An vier dieser Tage erzielte der Gesundheitssektor sogar positive Tagesrenditen. Nach Einschätzung der Portfoliomanager unterstreicht dies die Rolle von Healthcare als Diversifikationsbaustein in einem zunehmend von wenigen Technologiewerten dominierten Markt.
So günstig wie seit 15 Jahren nicht
Gerade angesichts der hohen Marktkonzentration auf wenige KI- und Halbleiterwerte könnte Healthcare damit wieder stärker in den Fokus von Investoren rücken. Der Sektor verbinde defensive Eigenschaften mit strukturellen Wachstumstreibern wie medizinischer Innovation und demografischem Wandel. Sollte sich die Kursrally auf weitere Branchen ausdehnen, sehen Acker und Lyons Potenzial für eine steigende Attraktivität von Gesundheitsaktien.
Auch die Bewertungen sprechen aus Sicht von Janus Henderson für den Sektor. Besonders Medizintechnikunternehmen stünden nach einer schwachen Kursentwicklung unter Druck. Erstmals seit mehr als 15 Jahren werde das Segment gegenüber dem Gesamtmarkt mit einem Bewertungsabschlag gehandelt. "Wir sind der Ansicht, dass der starke Rückgang in diesen Teilsektoren für geduldige Anleger ein attraktiveres Bewertungsumfeld geschaffen hat", schreiben Acker und Lyons. Wachstumstreiber wie die alternde Bevölkerung sowie Innovationen in den Bereichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Robotik und Diagnostik dürften die Nachfrage nach Medizintechnik langfristig stützen.
Hohe M&A-Aktivität
Positiv beurteilen Acker und Lyons zudem die Entwicklung der Biotechnologie. Nach einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2025 habe der Sektor seine Dynamik auch 2026 fortgesetzt. Klinische Fortschritte und eine hohe Übernahmeaktivität stützten die Branche. Bis Ende Juni seien bereits mindestens sieben Transaktionen im Wert von jeweils mehr als fünf Milliarden US-Dollar angekündigt worden. Insgesamt habe es weltweit mehr als 30 Übernahmen mit einem Volumen von über einer Milliarde Dollar gegeben – mehr als im gesamten Vorjahr. Große Pharmakonzerne verfügten weiterhin über hohe Liquiditätsreserven und müssten angesichts auslaufender Patente neue Wachstumstreiber erschließen.
Nach Einschätzung von Janus Henderson spricht damit eine Kombination aus defensiven Eigenschaften, medizinischer Innovation und attraktiven Bewertungen für ein verbessertes Chance-Risiko-Profil des Gesundheitssektors in der zweiten Jahreshälfte. (dv)




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