Aktien-Experte: Etwas mehr Home Bias bitte
Anleger sollten darüber nachdenken, ob etwas mehr Gewicht in europäischen Aktien für sie sinnvoll ist, empfiehlt Wellington-Experte Nicolas Wylenzek. Trotz Unsicherheiten spreche viel für das Potenzial des Marktes.
Lange galt die Heimatliebe europäischer Anleger als Performance-Bremse. Das hat sich inzwischen geändert, die meisten Aktienportfolios sind global ausgerichtet, und Europa ist in vielen Aktiendepots untergewichtet. Ein bisschen mehr Home Bias hält Wellington-Aktienstratege Nicolas Wylenzek mit Blick nach vorn aber für gar nicht so falsch. Denn trotz Unsicherheiten sei das Potenzial groß.
Zwei Argumente für Europa
Seiner Meinung nach sprechen zwei bedeutende Argumente für Europa: Einerseits die Diversifizierung gegenüber einem zu konzentrierten US-Markt. Andererseits das sich verbessernde Umfeld mit ersten Anzeichen dafür, dass Europa lange verzögerte Reformen umsetzen könnte. Zwar bleibe Europa in verschiedenen Bereichen anfällig, insgesamt zeige sich aber ein positiveres Bild.
"Auf lange Sicht zwingt die sich abschwächende Globalisierung Europa dazu, seine Abhängigkeit vom exportgetriebenen Wachstum zu reduzieren und die Binnenwirtschaft zu stärken", so Wylenzek. Dieser Wandel könnte seiner Meinung nach neue Anlagechancen in europäischen Unternehmen schaffen. Und: Der Kontinent konzentriere sich nicht mehr allein auf eine restriktive Fiskalpolitik. "Deutschlands Richtungswechsel spiegelt einen breiteren europäischen Trend zu sicherheits-, infrastruktur- und produktivitätsbezogenen Investitionen wider. Verteidigung, Energiesicherheit, Stromnetze und strategische Branchen sind keine Randthemen mehr – sie werden zu politischen Prioritäten", so der Aktienexperte. Diese Veränderung unterstütze das nominale Wachstum und die Preissetzungsmacht.
Neben den potenziellen Positivfaktoren, zu denen der Aktienprofi auch die sich allmählich erholenden europäischen M&A-Aktivitäten zählt, sieht er aber auch weiterhin erhebliche strukturelle Hindernisse. Er nennt dabei insbesondere die wachsende Konkurrenz durch China, den steigenden demografischen Druck sowie geopolitische Unsicherheit.
Aktiven Managern bietet sich bereits erheblicher Spielraum
Zahlreiche "Was wäre wenn"-Szenarien könnten zwar den beginnenden Aufschwung zum Scheitern bringen, so Wylenzek. Das niedrige Niveau der Markterwartungen bedeute aber auch, dass selbst geringfügige Verbesserungen ein beträchtliches Aufwärtspotenzial bergen. Er ist sicher: "Europas Umfeldwechsel nimmt Fahrt auf und bietet aktiven Managern bereits erheblichen Spielraum, indem sie sich auf die größten Nutznießer konzentrieren und gleichzeitig die Risiken in Bezug auf Unternehmen und Sektoren minimieren, die hier zu den Verlierern zählen könnten." (jh)















