Der langjährige Aufschwung am Aktienmarkt lässt immer mehr Investoren die Frage stellen, wann das Ende der Fahnenstange erreicht ist respektive wann der Bullenmarkt an Altersschwäche stirbt. Eine Antwort darauf gibt Hans-Jörg Naumer, Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research, in einer aktuellen Markteinschätzung.

Zu Beginn stellt Naumer den aktuellen Bullenmarkt, der immerhin der zweitlängste seit den frühen 1970er ist (gemessen am MSCI World Index), den vergangenen Haussen gegenüber. Nur der Bullenmarkt von Sommer 1982 bis Dezember 1989, bei dem sich die Kurse verfünffachten, war stärker als die derzeit noch laufende Aufwärtsbewegung. Diese Phase war laut Naumer auch nur leicht kürzer als die mittlerweile in den 105. Monat kommende Erholungsphase nach Ausbruch der US-amerikanischen Hauspreiskrise. Und nur die im Jahr 2000 platzende Technologie-Medien-Telekommunikationsblase war länger. Sie erstreckte sich über gut 116 Monate. Die drei anderen Aufschwungsphasen (Anfang der 1970er; während der zweiten Hälfte der 1970er; Ende 2002 bis Herbst 2007) waren zeitlich kürzer..

Der derzeitige Bullenmarkt – gemessen am MSCI Welt Total Return Index - ist der zweitlängste seit 1970 und einer der stärksten:

The "Wall of Worry" findet kein Ende
Für Naumer sei es angesichts der zeitlichen Länge des Bullenmarkts verständlich, dass Marktteilnehmer unruhig werden und dessen Ende befürchten. Neben Inflations-, aber auch Deflationsgefahren beunruhigt Spekulanten derzeit eine mögliche, schärfere Gangart der Fed hinsichtlich ihrer Geldpolitik. Dazu besteht laut Naumer immer wieder die Sorge, die globale Konjunktur könnte ihren Scheitelpunkt überwunden haben, wozu die inversere Lage der US-Renditestrukturkurve als Präjudiz herangezogen wird.

"Tatsächlich war eine inverse Renditestrukturkurve in der Vergangenheit ein verlässlicher Frühindikator für US-Rezessionen. Diese stellten sich dann im Durchschnitt der seit Mitte der 1950er Jahre zu zählenden inversen Lagen 16 Monate später ein, während das Hoch beim Leitindex S&P 500 acht Monate danach erreicht wurde“, erklärt Naumer, um anzufügen: "Aber Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche – sie 'wissen' ja nicht, wie alt sie sind. Sie sterben an einem Ende des Konjunkturaufschwungs oder durch eine zu straff werdende oder überraschend straffe Geldpolitik." Eine vorsichtige Übergewichtung von Aktien könnne vorerst beibehalten werden, erklärt Naumer abschließend. (aa)