Mischfonds sind die Alleskönner in der Fondslandschaft. Doch ihr Sinn wird regelmäßig hinterfragt, weil das Anlageergebnis oft unterdurchschnittlich ist und die Kosten hoch sind. Jacob Vijverberg, Multi-Asset Spezialist bei Aegon Asset Management beziehungsweise bei der Tochter Kames Capital, findet die Pauschalkritik nicht gerechtfertigt.

Er verweist auf die Möglichkeiten der Diversifikation, die ja per se als wesentlicher Anlagegrundsatz gilt. "Multi Asset ist ein sehr mächtiges Instrument. Aber man muss bei der Auswahl sehr auf die Kosten achten und darauf, dass die Portfoliomanager bewiesen haben, dass sie mit diesem Instrument Performance abliefern können", so Vijverberg im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Viele können die Flexibilität nicht materialisieren
Vijverberg spricht damit eine der zentralen Schwierigkeiten bei gemischten Portfolios an: Offenbar kann das Fondsmanagement häufig gerade mit der Flexibilität – die ja das zentrale Herausstellungsmerkmal ist – nicht umgehen. Viele Portfoliomanager schaffen es nicht, aus der breiteren Diversifikationsmöglichkeit einen Vorteil für den Anleger zu schöpfen.

Worauf können Anleger nun achten? Zum Beispiel darauf, wie spezifisch die Fondsmanager bei der Diversifikation vorgehen. Streuung ist nicht gleich Streuung. Insbesondere wenn es zu alternativen Anlagen kommt, müsse das Fondsmanagement zeigen, dass es ein aktives Konzept für die Titelauswahl hat, damit es nicht erst wieder zur Korrelation mit dem Gesamtmarkt kommt, so Vijverberg.

Alternative Assets sind oft keine echte Alternative
Der Hintergrund: Viele Multi-Asset-Fonds investieren in alternative Anlagen, weil hier die Hoffnung auf stabile aber höher rentierliche Erträge besteht – gemeint sind damit Bereiche wie Immobilien oder Infrastruktur. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass ein nach der OGAW-Richtlinie zertifizierter Fonds nur in börsennotierte Wertpapiere gehen darf, sprich in Aktien oder festverzinsliche börsenotierte Wertpapiere wie Anleihen. Vehikel wie "Listed Infrastructure" oder "Listed Real Estate" stehen in der Kritik, dass sie dem Anleger eine Alternative suggerieren, während in der Realität eine sehr hohe Korrelation zum Aktien- beziehungsweise Anleihenmarkt besteht.

Eine Kritik, die man ernst nehmen sollte, wie auch Vijverberg meint. "Man muss sehr genau hinschauen. Es gibt im börsegelisteten Bereich vieles, das unter Infrastruktur fällt, vom Telekomanbieter bis zum Flughafen. Nur wenn man die Titel sorgfältig auswählt, erreicht man tatsächlich eine geringere Korrelation", so der Portfoliomanager. Auch bei Immobilien korreliere der Hauptindex meist sehr stark mit dem Gesamtmarkt, "aber in den Subindizes ist die Korrelation sehr gering", so Vijverberg.

Hohe Renditen im Jahr 2020
Auch Vijverberg geht davon aus, dass Listed Infrastructure und Listed Real Estate genau so wie erneuerbare Energien im kommenden Jahr vergleichsweise hohe Erträge bringen. Diese könnten bei sechs bis sieben Prozent liegen. Er managt unter anderem den Global Diversified Income Fund, der eine Ausschüttung von fünf Prozent jährlich anstrebt. Zehn Prozent des Vermögens entfallen derzeit auf börsennotierte Immobilien (etwa Ascendas Real Estate Investment, Japan Hotel Reit, Tritax Big Box Reit Plc.), über 14 Prozent entfallen auf "Spezialisierte Erträge" wie Greencoat UK Wind Plc/Fund, Renewables Infrastructure GR oder Infratil Ltd.. Die jährliche Volatilität ist laut Unterlagen mit 4,8 Prozent nur rund halb so hoch wie im MSCI World.

Auf der Anleihenseite betrachtet Vijverberg höher verzinsliche Wertpapiere europäischer Banken mit hohen Kapitalpuffern als interessante Klasse. Nicht so allerdings im Aktienbereich – aufgrund der strukturellen Probleme (zu viele Banken, Fintech-Konkurrenz,…) sei die Wachstumsfantasie begrenzt. Bei Aktien hat das Management hingegen sehr hohe Positionen im IT- und Technikbereich aufgebaut. Unter anderem im Halbleiterbereich (etwa Taiwan Semiconductor Manufacturing). "Gerade bei Halbleitern haben wir hohe Anteile, weil wir davon ausgehen, dass sie eine wichtige Rolle spielen, egal welches Szenario die Zukunft bringt", so Vijverberg. (eml)