In Spanien regiert eine Minderheitsregierung, Deutschland kämpft mit Einwanderungsproblemen und Großbritannien bereitet den Brexit vor: Die Stimmung in Europa könnte derzeit kaum unsicherer sein. Dennoch sollten Anleger jetzt nicht in eine Schockstarre verfallen, sagt Stan Pearson, Head of European Equities bei Aberdeen Standard Investments. Trotz aller Unsicherheiten bietet der Kontinent nämlich attraktive Investmentchancen. Vor allem die Sektoren Öl, Rüstung, Luxusgüter und Technologie haben sich zuletzt hervorragend entwickelt.

Der Ölsektor hat vor allem von der Erholung des Ölpreises, den anhaltenden Versorgungsengpässen sowie einer gewissen Dividendenunterstützung profitiert, erklärt der Vermögensprofi. Die Rüstungsindustrie freut sich derweil über starke Auftragsbücher, während Luxusgüterunternehmen viele Probleme in ihrer Lieferkette gelöst und sich vom Absatzrückgang in China erholt haben. Der Technologiesektor war bisher die Branche mit der stärksten Performance. "Der Markt hat das Wachstum gut angenommen", sagt Pearson.

Gute Aussichten für Tech-Aktien
Obwohl Europa keinen so ausgereiften Technologiesektor hat wie die USA, gibt es dem Anlageprofi zufolge einige Nischen, die schnell wachsen und in denen Europa die Nase vorn hat. Dazu gehören etwa Unternehmen im Bereich Zahlungssysteme, Bankensoftware und Reiselogistik.

Auch Online-Disruptoren in Vertrieb und Verkauf schneiden gut ab, weil sie den Vorteil des "First Movers" ausnutzen und schnell wachsen. "Die Möglichkeit, dass solche Firmen von größeren Unternehmen übernommen werden könnten, hat ihren Aktienkurs gestützt", sagt Pearson. Der Anlageprofi blickt insgesamt optimistisch auf Europa. Allerdings müssen noch weitere Sektoren hinzukommen, wenn der europäische Aktienmarkt in Gänze aus seiner derzeitigen engen Handelsspanne ausbrechen will. (fp)