Die Weltwirtschaft scheint sich allmählich von der Coronakrise zu erholen, die Covid-19-Pandemie nähert sich dank der Fortschritte beim Impfen ihrem Ende. Und doch nehmen die Risiken für Anleger nicht ab. Im Gegenteil: Mit der Inflation ist zuletzt eine weitere potentielle Gefahr dazugekommen. "Die Güternachfrage steigt bei eingeschränktem Angebot", erklärt Darren Williams, Chefvolkswirt beim Fondsanbieter AllianceBernstein (AB). "Wir sehen das schnellste Wachstum der Geldmenge seit den 1980er Jahren und akzeptieren zunehmend, dass steuerpolitische Maßnahmen durch die Geldpolitik finanziert werden."

Im Januar stieg die Teuerungsrate im Euroraum überraschend stark an. Ob das bereits den Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends eingeläutet hat, ist laut Williams aber fraglich. "Die Bedingungen für eine Inflationszunahme sind in Europa noch nicht gegeben", sagt er. Stattdessen lasse sich der Anstieg mit Faktoren wie der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer in Deutschland, verzögerten saisonalen Verkäufen, neuen Kraftstoffsteuern und neuen Indexgewichtungen erklären.

Auch in den USA keine Inflation in Sicht
Für das laufende Jahr rechnet der Ökonom damit, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone um 3,5 Prozent steigt – ein Wert, der vom Vorkrisentrend noch weit entfernt ist. 2020 war das BIP noch um 6,8 Prozent gesunken. Seine Prognose für die US-Wirtschaft fällt weitaus besser aus. Sie dürfte 2020 um ungefähr 6,5 Prozent wachsen und damit um mehr als das Dreifache der konstanten Wachstumsrate.

Auch in den USA dürfte die Inflation aber nur geringfügig ansteigen, glaubt Williams, da zwischen dem aktuellen Niveau und dem Potential der Wirtschaft eine große Lücke klafft. Für dieses Jahr geht er deshalb nicht von Zinsanhebungen aus. Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte ihre quantitative Lockerung unvermindert fortsetzen. (fp)