Europas Abhängigkeit von ausländischer KI-Infrastruktur gefährdet nach Ansicht von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf Dauer die wirtschaftliche und technologische Souveränität des Kontinents. Europa müsse künstliche Intelligenz schnell einsetzen, zugleich aber eigene Kapazitäten aufbauen, forderte Lagarde in einer Rede in Wien.

Derzeit fließt ein erheblicher Teil des europäischen Kapitals in die Vereinigten Staaten. Haushalte aus dem Euroraum halten Lagarde zufolge Beteiligungen an US-Technologieunternehmen im Wert von rund 440 Milliarden Euro. Die großen amerikanischen Cloud- und Rechenzentrumskonzerne wiederum emittierten allein im vergangenen Jahr Anleihen über mehr als 100 Milliarden Dollar.

KI soll Europas Produktivität steigern
Auch europäische Unternehmen investieren kräftig: Rund zehn Prozent ihrer gesamten Investitionen dürften 2026 auf künstliche Intelligenz entfallen. KI-bezogene Finanzierungen machten im ersten Quartal etwa ein Viertel des Wachstums der Unternehmenskredite aus.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Euroraum nutzt inzwischen KI am Arbeitsplatz. Bei einer raschen Verbreitung könnte die Technologie das Produktivitätsniveau innerhalb eines Jahrzehnts um bis zu vier Prozent erhöhen, schätzt die EZB.

Europa verfügt derzeit allerdings lediglich über fünf Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität. Drei Viertel entfallen auf die USA. Die Kosten, um Europas absehbare Lücke bei Rechenzentren in den kommenden zehn Jahren zu schließen, könnten sich einschließlich der erforderlichen Chips auf bis zu 600 Milliarden Euro belaufen.

Welche Risiken Lagarde mit einer dauerhaften Abhängigkeit verbindet und wie Europa gegensteuern soll, zeigt unsere Bilderstrecke. (mb)