Johnny Frosticks Herzinfakt kam ihm, so seltsam es klingt, einigermaßen ungelegen, denn er hatte am darauffolgenden Tag ein wichtiges Treffen mit einem Fondsmanager geplant. Das war der erste Gedanke, der dem leitenden Bankberater regulatorischer Datenprojekte der britischen Großbank HSBC Holdings durch den Kopf schoss, als er von seinem Herzinfakt erfuhr. In einem Linkedin-Beitrag hat Frostick diese Gedanken vergangene Woche mit der Welt geteilt und ging damit viral. Der Beitrag des 45-Jährigen hat die Debatte über die selbstausbeuterische Arbeitskultur in den Banken neu entfacht. Und die ist in Homeoffice-Zeiten kaum besser geworden.

Dabei ist das Thema um überarbeitete Bankmitarbeiter nicht neu: Schon im März hatten Nachwuchsanalysten der US-Großbank Goldman Sachs für Aufsehen gesorgt, weil sie ihre Arbeitsbedingungen als unmenschlich und ausbeuterisch angeprangert hatten. Goldman-Sachs-Chef David Solomon kündigte daraufhin an, die Jung-Analysten zu entlasten und ihnen zumindest einen Tag in der Woche freizugeben, sowie drauf zu achten, dass diese Freizeit  tatsächlich in Anspruch genommen wird. Auch Frostick betont, dass Überarbeitung in der gesamten Branche ein Problem ist und nicht nur seinen Arbeitgeber HSBC betrifft, schreibt die Nachrichtenagentur "Bloomberg" in einem Bericht.

Coronakrise verschärft Problem
Der HSBC-Berater sieht die Schuld für seine gesundheitlichen Probleme auch in seinem Arbeitsverhalten während der Pandemie begründet, berichtet "Bloomberg". Die Grenzen zwischen Beruf und Arbeit seien für ihn zunehmend verwischt und zwölfstündige Arbeitstage inzwischen an der Tagesordnung. Das soll sich jetzt ändern: Frostick gelobt, in Zukunft stärker auf seine Gesundheit zu achten, nicht mehr tagelang in mehr oder weniger belanglosen Zoom-Calls zu hängen und mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. (fp)