Gerade einmal 17 von 189 Vorstandsmitgliedern im breiten Wiener Börse Index (WBI) sind weiblich. Das sind um drei Frauen mehr als im Vorjahr, während die Anzahl der männlichen Mitglieder stärker zurückging. Zum Vorjahreszeitpunkt waren 14 von 196 Gremiumsmitgliedern weiblich. Das zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung EY ("Mixed Leadership Barometer").

Die Quote liegt damit momentan bei rund neun Prozent. Bei Beginn der Untersuchungen im Juli 2015 lag der Frauenanteil in den Vorständen bei nur gut vier Prozent. In absoluten Zahlen ist demnach die Anzahl an weiblichen Vorstandsmitgliedern innerhalb der vergangenen sieben Jahre um zehn Personen gestiegen.

"Viel zu langsam"
Es handle sich um einen neuen Höchstwert und damit ein positives Zeichen, "doch die Trendwende geht viel zu langsam, und der Frauenanteil ist noch deutlich zu niedrig. Das Ziel – Parität – liegt in weiter Ferne", so Helen Pelzmann, Partnerin (EY Law) und Verantwortliche für die Initiative "Women. Fast Forward" bei EY Österreich.

Sie geht aufgrund der Einigung der EU-Staaten und des Europäischen Parlaments auf eine Geschlechterquote in den Vorstandsetagen von einer Verbesserung der Quoten aus. Staaten können demnach bis 2026 zwischen zwei Modellen wählen: Entweder sollen mindestens 40 Prozent der Mitglieder von nicht geschäftsführenden Aufsichtsratsmitgliedern Frauen sein oder der durchschnittliche Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen muss bei 33 Prozent liegen.

Höhere Quoten im Aufsichtsrat
In den Aufsichtsräten ist das Bild bei einem Frauenanteil von 30,2 Prozent deutlich besser als in den Vorstandsetagen. In fast neun von zehn österreichischen WBI-Unternehmen sitzt mindestens eine Frau im Aufsichtsrat. Seit dem Vorjahr ist die Zahl der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder um 14 auf 163 gestiegen, die der männlichen Aufsichtsräte nur um ein Mitglied auf 376.

Die höhere Diversität in den Aufsichtsgremien ist ein Resultat der seit 2018 geltenden gesetzlichen Genderquote von 30 Prozent. Im Dezember 2017 lag der Frauenanteil nur bei 18,8 Prozent. Allerdings erfüllt fast jedes vierte verpflichtete österreichische Unternehmen auch diese Vorgaben noch nicht. Diese Betriebe müssen die Frauenquote im Aufsichtsrat bei der nächsten Wahl oder Entsendung erhöhen, so Pelzmann.

Arbeitgeber und Politik gefordert
Ausschlaggebend für den Wandel sei es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, so Pelzmann. Nötige Lenkungsmaßnahmen und Modelle würden fehlen. Hier seien sowohl Arbeit- als auch Gesetzgeber gefordert.

Die meisten Vorständinnen seien momentan in der Immobilienbranche anzutreffen, wo ihr Anteil bei 20 Prozent liege. An zweiter Stelle folgt die Konsumgüterbranche (19 Prozent) und an dritter Stelle die Industrie (9,5 Prozent). Keine einzige Vorständin gibt es laut den EY-Analysen in fünf Branchen: Automobil, Informationstechnologie, Rohstoffe, Telekommunikation und Transport. (eml)