Yngve Slyngstad ist der Herr über rund eine Billion Dollar. Er steuert den Sovereign Wealth Fund von der Norges Bank Investment Management (NBIM), also den staatlichen Pensionsfonds Norwegens, in den die Einnahmen aus der Ölförderung des Landes fließen. Von nahezu allen großen Unternehmen der Welt hält der Fonds Anteile. Doch der 55-Jährige Top-Manager verzichtet auf viele Statussymbole seiner Zunft. Auf die Dienste eines Sekretariats etwa greift er nicht zurück. Er selbst plant seine Termine und bucht seine Reisen.

Auch in andere Hinsicht übt sich Slyngstad in Bescheidenheit: Mit 800.000 Dollar im Jahr nimmt sich sein Salär vergleichsweise gering aus in der Asset-Management-Industrie. Manche Spitzenkraft bei kleineren Fondsgesellschaften verdient da deutlich mehr. Vorstandschefs liegen noch deutlicher darüber. Dennoch bezeichnet der Investmentprofi sein Gehalt im Interview mit der Wirtschaftszeitung "Financial Times" als "unfair", da er den "interessanten Job der Welt" ausüben dürfe.

Diskussion um Eigenständigkeit
Der norwegische Staatsfonds ist darauf angelegt, die Einnahmen des Landes aus der Rohölförderung über Generationen hinweg zu investieren und zu bewahren. So schafft sich das Land Rücklagen für die Zeit, wenn die Ölreserven erschöpft sind. Slyngstad und sein Team investieren fast ausschließlich in Aktien und Anleihen. Das Portfolio richten sie zunehmend nach nachhaltigen Kriterien aus.

Die Norweger diskutieren derzeit darüber, ob der Fonds aus der Zentralbank des Landes herausgelöst werden und als eigenständige Einheit agieren soll. Dadurch würde das Vehikel mehr Freiheiten, auch bei den Investmententscheidungen erlangen und könnte stärker in Beriechen wie Private Equity und Infrastruktur investieren. Eine Expertenkommission empfahl die Loslösung, die Regierung stellte sich dagegen. Die Entscheidung fällt letztlich das Storting, Norwegens Parlament. (ert)