Ex-Berenberg-Chef geht gegen Bafin vor
Völlig überraschend hatte die Finanzaufsicht Bafin Mitte Juni die Führung der Berenberg Bank entmachtet. Dagegen wehrt sich mit Hendrik Riehmer nun einer der Ex-Chefs, wie Medienrecherchen ergaben – die auch Licht auf die Hintergründe für den Schritt der Bafin werfen.
Hendrik Riehmer, langjähriger Chef und persönlich haftender Gesellschafter der Berenberg Bank, wehrt sich juristisch gegen die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Das berichtet das "Handelsblatt" mit Verweis auf Informationen, die die "Wirtschaftswoche" aus dem Umfeld des Hamburger Privatinstituts bekommen habe. Aufgrund einer Anordnung der Behörde wurden Riehmer und seine beiden Mitgesellschafter David Mortlock und Christian Kühn am 19. Juni von ihren Aufgaben entbunden; ihre Befugnisse "ruhen" seitdem. Zwei Sonderbeauftragte führen aktuell die Bankgeschäfte.
Der Anwalt Riehmers bestätigte die Informationen auf Anfrage: "Herr Riehmer hat Widerspruch bei der Bafin eingelegt." Der Jurist ergänzte laut "Handelsblatt" in einem Gespräch mit der "Wirtschaftswoche", dass sein Mandant "sich in vollem Umfang gegen die erhobenen Vorwürfe und Maßnahmen zur Wehr setzen" werde. Sowohl Berenberg als auch die Bafin äußerten sich nicht dazu. Die Behörde verwies auf ihre gesetzliche Verschwiegenheitspflicht.
Riehmer bot Rücktritt an
Den Medienberichten zufolge soll Riehmer der Bafin vor der Entsendung der Sonderbeauftragten noch seinen Rücktritt angeboten haben. Wieso die Finanzaufsicht das Angebot nicht annahm und Riehmer stattdessen über die Entsendung von Sonderbeauftragten entmachtete, ist unklar. Riehmers Anwalt und die Bafin äußerten sich nicht zum Rücktrittsangebot des Managers, so das "Handelsblatt".
Der Rechtsanwalt von Riehmer erklärte außerdem, sein Mandant habe inzwischen "seine Geschäftsführungsbefugnis durch Kündigung aus wichtigem Grund gegenüber der Bank niedergelegt, weil ihm eine Ausübung der Geschäftsführung" im Hinblick auf die Folgen der Bafin-Maßnahmen "faktisch nicht mehr möglich und zumutbar war".
Mögliche Corporate-Governance-Verstöße
Warum installierte die Bafin zwei Sonderbeauftragte bei der Bank? In der offiziellen Mitteilung zu der Maßnahme begründete die Behörde den Schritt damit, dass sich bei der Jahresabschlussprüfung für 2025 "Hinweise auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße ergeben" haben. "Dies betraf insbesondere bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte", hieß es weiter. Details nannte sie aber nicht.
Das "Handelsblatt" schreibt nun unter Verweis auf Informationen, die der "Wirtschaftswoche" vorliegen, dass die Aufsicht auf das Ergebnis einer Sonderuntersuchung durch den Wirtschaftsprüfer EY reagiert habe. Demnach sollen bei Berenberg liquide Mittel zwischen bankinternen Depots umgebucht worden sein, was sich auf das Ergebnis der Bank ausgewirkt haben soll.
Auffällige Wandelanleihe
Außerdem sei der Verkauf und der Rückkauf einer Wandelanleihe der Tonies SE durch Berenberg auffällig, heißt es weiter. Tonies stellt die bei Kindern populären Tonieboxen her und hatte 2022 eine Wandelanleihe begeben, die später gegen Aktien getauscht wurde.
Zudem untersuchten die Prüfer laut den Berichten "Aktientermingeschäfte mit anschließenden Rückerwerben", die Ende 2025 abgeschlossen wurden. Womöglich seien Aktienbestände zum Vermögen des Geldhauses hinzugezählt worden, obwohl es bereits eine Absprache zur Übertragung der Aktien an Dritte gab. So könnte das Eigenkapital von Berenberg aufgehübscht worden sein.
Prüfer untersuchten Immobiliengeschäft
Zusätzlich störten sich die Prüfer offenbar an einem Immobiliengeschäft: Ihnen missfielen "gesellschaftsrechtliche und finanzierungsbezogene Umstrukturierungen bei der Ipacopa Entwicklungsgesellschaft mbH", so die Informationen der "Wirtschaftswoche". Die Ipacopa hat die neue Unternehmenszentrale von Berenberg im Hamburger Stadtteil Winterhude gebaut. Ursprünglich hielt eine Tochter von Berenberg 50 Prozent an der Ipacopa. Im vergangenen Dezember wurde der Anteil aber auf 20 Prozent reduziert. Aus der Satzung der Entwicklungsgesellschaft geht jedoch hervor, dass Berenberg weiterhin 48 Prozent der Gewinne der Ipacopa zustehen. (jb)















