Ein Anfangsverdacht auf verbotene Insidergeschäfte bestand bereits seit Anfang Oktober vergangenen Jahres, als bekannt wurde, dass die interne Aufsicht der US-Notenbank Fed gegen hochrangige Manager der Institution ermittelt. In die Schusslinie geriet damals auch der Vize-Chef der Federal Reserve, Richard Clarida. Nicht ohne Grund, wie sich jetzt herausgestellt hat. Clarida musste nur wenige Wochen vor dem Auslaufen seiner vierjährigen Amtszeit vorzeitig zurücktreten, nachdem nun bekannt wurde, dass er es versäumt hatte, eigene Aktiengeschäfte zu Beginn der Pandemie ordnungsgemäß zu melden.

Konkret vorgeworfen wird Clarida, Anteile im Wert zwischen ein und fünf Millionen US-Dollar aus einem Anleihefonds in einen Aktienfonds umgeschichtet zu haben, und das nur wenige Tage bevor die Fed mit Blick auf die Verschärfung der Covid-19-Krise eine Reihe von Notmaßnahmen zur Stützung der Finanzmärkte angekündigt hat. Der scheidende Fed-Vize hatte es dabei versäumt, diese Transaktionen offenzulegen, wozu er aufgrund seiner Position verpflichtet gewesen wäre.

Claridas Abgang ist bereits der dritte große Rückzug eines hochrangigen Fed-Vertreters im Zusammenhang mit Handelsaktivitäten innerhalb der vergangenen Monate. Eric Rosengren und Robert Kaplan, die zwei regionale Niederlassungen der Notenbank geleitet hatten, waren bereits im September zurückgetreten. Entsprechend groß ist die Empörung am Markt. So zitiert etwa die Financial Times David Wessel, Chef des in Washington ansässigen Think Tanks Brookings Institution, zu dem Fall mit den Worten: "Das ist nicht gut für die Fed, soviel ist sicher, und es wird die Kritik derjenigen anheizen, die seit Jahren argumentieren, dass die Fed-Beamten ein elitärer Haufen sind, der sich mit Bankern wohler fühlt als mit dem Rest der Gesellschaft." (hh)