Herta Stockbauer hat ihr Amt als Aufsichtsratsvorsitzende der Oberbank zurückgelegt, bleibt aber weiter normales Aufsichtsratsmitglied. An ihrer Stelle soll Martin Zahlbruckner, CEO des österreichischen Spezialpapiererzeugers delfortgroup AG, den Vorsitz übernehmen. Am Mittwoch (25. November) stimmt der Aufsichtsrat darüber ab. Der Rücktritt stehe im Zusammenhang mit der "Neuordnung der Struktur des Aufsichtsrates der Oberbank, die mit der konstituierenden Sitzung im Mai eingeleitet wurde", heißt es in einer Aussendung.

Zank um Einfluss mit Minderheitsaktionärin Bank Austria
Hintergrund für den Abgang Stockbauers dürfte eine bessere Compliance-Optik sein. Zumindest betont die Oberbank in ihrer Mitteilung ausdrücklich, man wolle sich da "weiterentwickeln". Stockbauer ist Vorstandsvorsitzende der BKS-Bank mit Sitz in Kärnten. Das Institut gehört gemeinsam mit der Linzer Oberbank und der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV) zum 3 Banken-Verbund. Die Institute sind wechselseitig aneinander beteiligt und ihre Vorstandsvorsitzenden sitzen in den Aufsichtsräten der Verbundsbanken. Über diese Verflechtung besteht ein heftiger Streit mit der Minderheitsaktionärin Bank Austria, die über die Gesellschaft Cabo an den drei börsenotierten Regionalbanken beteiligt ist.

Die Oberbank-HV verkleinerte 2019 den Aufsichtsrat der Bank 2019 von zwölf auf elf Personen, wodurch ein Mann der Bank Austria (Jürgen Kullnigg) nicht zum Zug kam. Das OLG Linz hat die Verkleinerung heuer im September als unzulässig erklärt. Eine Aufstockung gab es dennoch nicht. Im Gegenteil: In der Zwischenzeit beschloss die HV im Februar 2020 erneut eine Verkleinerung auf zehn Köpfe. Die Oberbank sagt, die FMA habe die "Entfernung von UCBA (UniCredit Bank Austria, Anm.)-Vorstand Mag. Hofstätter-Pobst verlangt, weil ein unlösbarer Interessenkonflikt vorliegt", wie der "Kurier" im September berichtete. Die Bank Austria beschwerte sich über unzeitegmäße Compliance.

Zahlbruckner seit 2016 im Oberbankaufsichtsrat
Dr. Martin Zahlbruckner (54) sitzt bereits seit dem Jahr 2016 im Aufsichtsrat der Oberbank. Er werde als Vorsitzender des Gremiums sein internationales Know How mehr einbringen. Als unabhängiges Mitglied wolle er die Oberbank auf dem Wachstumskurs mit seinen Erfahrungen unterstützen.

Die Bank unter Generaldirektor Franz Gasselsberger ist dabei, die Weichen des wachsenden Instituts für den Generationenwechsel zu stellen. Per 1. Oktober wurde der Vorstand von drei auf vier Köpfe erweitert: Martin Seiter (35) wurde zum neuen Vertriebsvorstand bestellt. (eml)