Die DWS rechnet für das kommende Jahr nur mit Erträgen im einstelligen Prozentbereich an den Börsen. Dem Dax traut der Asset Manager einen Anstieg auf 14.000 Punkte zu, was einer Gesamtperformance von 6,2 Prozent auf Sicht der nächsten zwölf Monate entspricht. Für den US-Aktienmarkt erwartet die Deutsche-Bank-Tochter gemessen am S&P 500 ein Plus von 5,3 Prozent, in Europa sind festgemacht am Stoxx Europe 600 rund 7,5 Prozent drin. Das geht aus dem nun veröffentlichten "CIO View", also dem Marktausblick der Fondsgesellschaft, hervor.

Die überraschend gute Börsenentwicklung in diesem Jahr schreiben die Anlagestrategen in erster Linie der nochmals gelockerten Notenbankpolitik zu. "Zyniker konnten sich dieses Jahr leicht in ihrer Vermutung bestätigt sehen, dass diese überschuldete Welt schlicht keine höheren Zinsen verträgt und die Zentralbanken allzeit Gewehr bei Fuß stehen, falls Wirtschaft oder Kapitalmärkte aufgrund von Liquiditätsentzug zu zittern beginnen", schreibt Chefanlagestratege Stefan Kreuzkamp.

Wann beginnt der Dollar zu schwächeln?
Mit Blick auf die Dollar-Stärke könnte zudem eine andere zynische Sichtweise Zulauf gewinnen: Es spiele keine Rolle, wie sehr die USA über ihre Verhältnisse leben – sie müssten die Summen, die sie der Welt schulden, ja nicht erwirtschaften, sondern könnten sie einfach drucken. "Kurzfristig mag das funktionieren", meint Kreuzkamp. Langfristig sei dieses Argument jedoch fragwürdig, insbesondere angesichts der protektionistischen Politik der USA. "Doch wann genau der Dollar als Folge von Außenpolitik und Zwillingsdefizit anfangen wird zu schwächeln, ist genauso ungewiss wie der Zeitpunkt, an dem die jahrelange Ausweitung der Geldmenge in Inflation münden wird", so Kreuzkamp.

Seine Kollegen und er erwarten nicht, dass diese Themen schon 2020 auf die Tagesordnung gelangen. "Wir denken vielmehr, dass ein Großteil der Anleger im kommenden Jahr mit Blick auf die großzügigen Zentralbanken weiterhin nach der mittlerweile berühmt-berüchtigten Devise im Markt agieren wird, nach der man tanzen sollte, solange die Musik spielt." Das sei nicht ganz unberechtigt. "Auch uns fällt es schwer, genügend Gründe dafür zu finden, dass die Musik 2020 schon stoppen wird", räumt Kreuzkamp ein. "Sie wird aber sicherlich spürbar langsamer gespielt werden."

"Aktien sind zwischenzeitlich teurer geworden"
Noch einmal könnten die Zentralbanken die Märkte nicht so positiv überraschen wie dieses Jahr, ist Kreuzkamp überzeugt. "Zudem sind Aktien zwischenzeitlich teurer geworden", erinnert der Investmentchef, denn zuletzt sind die Kurse deutlich schneller gestiegen als die Gewinne. Bessere Chancen als in den USA und Europa wittern die DWS-Experten im kommenden Jahr in Asien, sowohl für Aktien als auch für Anleihen. (bm)