Die Schweiz hat mit ihrem einstigen Ruf als Steueroase für Reiche abgeschlossen, ist Vontobel-Vorstandschef Zeno Staub überzeugt. "Das leidige Thema Steuerflucht ist tot, aus und vorbei", stellt er im Interview mit dem "Handelsblatt" unmissverständlich klar. "Schweizer Banken wissen längst mit anderen Werten zu überzeugen." Zu diesen gehören laut Staub Service und eine hohe Kompetenz in Investmentfragen. "Die Schweiz steht für Qualität, Verlässlichkeit, eine stabile Währung, tiefe Inflation und stabile Staatsfinanzen", erklärt er. 

Manche eidgenössiche Privatbank habe ihr Werteversprechen zu lange auf der langen Tradition und einem verzerrten Verständnis von 'Swissness' aufgebaut, das sich auf Diskretion beschränkt habe, erklärt Staub. "Aber wer sein Geld einer Bank anvertraut, interessiert sich nicht für die Vergangenheit, sondern für die zukünftige Entwicklung."

Service und Investmentkompetenz nützen allerdings nicht viel, wenn Anleger vermehrt per ETF einfach den breiten Markt kaufen. Wie viele andere Marktbeobachter auch rechnet der Vontobel-Chef mit einer Konsolidierung: Er geht davon aus, dass schein-aktive Produkte, die hohe Gebühren verlangen, in Wahrheit aber einen Index nachahmen, über kurz oder lang vom Markt verschwinden. "Aber ich bin überzeugt, dass echte, aktiv gemanagte Fonds eine Zukunft haben, weil sie langfristig besser abschneiden können als Indizes", betont er.

Langfristige Ausschüttungspolitik
Bei Vontobel lief es zuletzt gut. Das Institut hat im vergangenen Jahr zehn Prozent mehr verdient als 2017. Die Vontobel-Aktionäre sollen trotzdem keine höhere Dividende bekommen. "Wir wollen uns nicht kurzfristig beliebt machen, sondern eine verlässliche und stabile Dividendenpolitik liefern", so Staub. "Unser Versprechen lautet, in normalen Geschäftsjahren mehr als die Hälfte des Gewinns auszuschütten, und das wollen wir in diesem Jahr tun." (fp)