Gold gilt bei Anlegern traditionell als Krisenwährung. Sobald sich die Stimmung an den Märkten allerdings besserte, ebbte dann aber das Interesse an dem Edelmetall schnell wieder ab. Diesmal könnte es anders sein, sagt Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege beim Investmenthaus VanEck. Einerseits stimme es zwar, "dass geopolitische Faktoren für Gold selten längerfristig Bestand haben, da sich die Welt auf neue Realitäten einstellt". Andererseits habe der Krieg in der Ukraine größere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und das Finanzsystem als jeder andere regionale Konflikt der vergangenen Jahre. Und das könnte die Nachfrage nach Gold nachhaltig hochhalten, sagt der Finanzprofi.  

Der Goldpreis hatte sich zuletzt stabilisiert, nachdem die Notierungen für das Edelmetall nach seinem Rekordstand von 2.075 US-Dollar je Feinunze im Jahr 2020 viele Monate lang stark geschwankt hatte. "Endlich sind nun ein bestätigter Ausbruch und ein positiverer Charttrend in Sicht", sagt Foster. Der Goldpreis steigt zudem auch dank börsengehandelter Goldbarrenprodukte, die seit einem Monat bei Anlegern so gefragt sind wie seit dem Jahr 2020 nicht mehr. Für Foster ein Zeichen dafür, dass sich Anleger im laufenden Jahr auf Gold als Schutz gegen Inflation verlassen können.  

Zinserhöhungen dürften Goldpreis nicht gefährden 
Mögliche Zinserhöhungen durch die Zentralbanken dürften nach Ansicht des Goldstrategen den Goldpreis nicht gefährden. Zwar hat die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve Bank (Fed) gerade einen Zinserhöhungszyklus eingeleitet, um die Inflation zu senken. Steigende Zinsen machen per se zinslose Gold-Investments vergleichsweise unattraktiver.

Die Trendwende bei den Zinsen kommt aber zu zu spät, sagt Foster. "Zum jetzigen Zeitpunkt besteht ein erhebliches Risiko, dass sich weder das Wirtschaftswachstum noch die Inflation sehr weit in die von der Fed gewünschte Richtung entwickeln werden.” Er geht sogar noch einen Schritt weiter: "Sollte die Fed gezwungen sein, ihr Zinserhöhungsprogramm vorzeitig zu beenden, um die Wirtschaft zu retten, könnte die Inflation hoch bleiben.” Für die Anlageklasse Gold als Inflationsschutz wäre das dann eine weitere gute Nachricht. (fp)