Der renommierte österreichische Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr, einer der Key Note Speaker auf dem FONDS professionell KONGRESS in Wien, hält nicht viel von einem Kuschelkurs gegenüber Donald Trump. Der US-Präsident droht europäischen Autoherstellern mit drakonischen Zöllen, weil er die Vereinigten Staaten benachteiligt sieht. "Das ist Unfug", sagt Felbermayr im Interview mit der Zeitung "Die Zeit" – und rät Europa dazu, sich gegen eventuelle Einfuhrhemmnisse zur Wehr zu setzen. "Die Autozölle werden offiziell mit Gefahren für die nationale Sicherheit begründet. Das ist ein Witz", kritisiert der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) an der Uni Kiel.

EU-Handelskommissar Phil Hogan spricht dieser Tage in Washington vor. Geht es nach Felbermayr, kann der Ire hocherhobenen Hauptes mit den Amerikanern verhandeln. Zwar sind die USA ein unzweifelhaft bedeutender Absatzmarkt für europäische Konzerne. Aber der europäische Binnenmarkt sei auch nicht gerade klein, betont der Ökonom. "Wir können den Amerikanern durchaus wehtun", sagt er. "Das unterscheidet uns von den Chinesen." Sein Rat: Die Europäer sollten gegenüber der US-Regierung eine glaubwürdige Drohkulisse aufbauen.

Der Erpresser sitzt im Weißen Haus
Felbermayr zufolge könnte die EU beispielsweise damit drohen, Autozölle mit einer europaweiten Steuer für amerikanische Digitalkonzerne zu kontern. "Das wird Trump nicht unbeeindruckt lassen. Es stehen schließlich Wahlen an, und schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft kann er nicht gebrauchen", erklärt der Wirtschaftswissenschaftler im Interview. 

Nicht nur Handelskommissar Hogan, auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sollte in anstehenden Verhandlungen selbstbewusst auftreten, fordert Felbermayr. "Die Chinesen haben sich Trump unterworfen. Sie haben ein Abkommen geschlossen, das einer handelspolitischen Kapitulationserklärung gleichkommt", sagt er. "So etwas dürften die Europäer nicht unterschreiben." Sperre sich der US-Präsident gegen ein faires Abkommen mit gegenseitigem Interessenausgleich, dann sollte er überhaupt keinen Deal bekommen, so der Ökonom: "Wenn wir einseitige Zugeständnisse machen, würde er das als Bestätigung seiner Erpressungspolitik verstehen." (fp)