Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat mit Gabriel Felbermayer seit diesem Jahr einen neuen Präsidenten. Zuvor leitete der Österreicher das Zentrum für Außenwirtschaft beim Münchner Ifo-Institut. Der Österreicher zählt damit zu den Top-Ökonomen im deutschsprachigen Raum. 

Kürzlich meldete sich Felbermayer in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier" zur Wort. Darin kritisierte er, dass die großen österreichischen Forschungsinstitute nicht unabhängig genug seien. "Ich kann als Institutschef tatsächlich alles sagen, und niemand kann mir den Strom abdrehen, solange die Forschungsleistung passt. In Österreich sind die Durchgriffsmöglichkeiten direkter", erklärte IfW-Präsident.

Felbermayer ist vor allem bekannt für seine Analysen zu aktuellen handelspolitischen Konflikten und ihrer wirtschaftspolitischen Bewertung. Im Interview mit dem Kurier geht der Ökonom auch auf das Thema Klimaschutz ein und erklärt: "Wenn wir gegen Länder antreten, die keinen Klimaschutz betreiben, haben wir tatsächlich ein Problem. Das heißt, wir müssen dafür sorgen, dass die Großen mitmachen. Wenn nicht, bräuchten wir einen Grenzausgleich."

Als Protektionismus will Felbermayer dies allerdings nicht verstanden wissen. "Ein CO2- Grenzausgleich beseitigt Diskriminierung. Eine Tonne Stahl würde immer mit demselben CO2-Preis belastet, egal wo sie produziert wurde. Diesen harten Diskussionen mit dem Weißen Haus oder China müssen wir Europäer uns stellen", betont der IfW- Präsident. Das langfristige Ziel müsse laut Felbermayer daher ein umfassendes EU-Emissionshandelssystem "über alle Sektoren und europäischen Länder" sein.

Vortrag auf dem FONDS professionell KONGRESS
Alle Leser, die Felbermayer live erleben möchten, haben die Möglichkeit dazu auf dem kommenden FONDS professionell KONGRESS am 26. und 27. Februar 2020 in Wien. Der IfW-Präsident wird in seinem Vortrag versuchen, Antworten auf folgende Fragen zu geben: Warum entstehen weltweit neue Handelsschranken? Wie sind sie zu messen? Welche Wirkungen haben sie auf Wohlstand und Verteilung? Wie passen sich Unternehmen an, und welche Rolle spielen neue Technologien? Und schließlich: Welche Reformen sind notwendig im globalen Handelssystem und auf nationaler Ebene? (gp)