Wenn Ernst Brandl, nach einer 20-jährigen Karriere als Speaker, eben diese beendet und darüber einen Rückblick veranstaltet, "dann kann das dauern". So zumindest leitete der renommierte Wirtschaftsanwalt seinen letzten Vortrag als Referent des Wiener FONDS professionell KONGRESSES launig ein. Wobei "launig" das Adjektiv ist, das Brandl, der sich als Geschäftsführer und Gesellschafter aus der von ihm mit begründeten Kanzlei Brandl & Talos Rechtsanwälte zurückzieht, während seines letzten KONGRESS-Auftritts insgesamt am besten beschreibt. Erhalten bleibt er seiner Kanzlei sowie seinen Mandanten als Rechtsanwalt und Berater.

So rät er im Umgang mit dem Coronavirus dazu, "einfach nicht mehr einzuatmen". Auch auf die eine oder andere Skurrilität, die sich in der Entwicklung des Internets während der vergangenen zwei Jahrzehnte ergeben hat, weist der Anwalt hin: So habe er vor seinem ersten Vortrag vor 20 Jahren die Wortkombination "reich werden mit Investmentfonds" in die Google-Maske eingegeben und 436.000 Treffer erhalten. "Heute waren es nur noch 200.000", wie Brandl erzählt.

Typisch österreichisch
Es gibt aber auch ernstere Momente. So kritisiert er die Anwaltskammer, die "die Spezialisierung von Anwälten boykottiert." Das sei "typisch österreichisch, man nivelliert wie immer nach unten." Sein Opus Magnum zum WAG, das im Rahmen "der Regulierungswelle auf 1800 Seiten angeschwollen ist, wird wohl nie fertig werden", was aber auch daran liegt, dass er sich auf sein Bienen- und Honig-Start-up "mielo.eu" konzentrieren will. "Es ist großartig!", ruft ein an dieser Stelle wieder vor Ironie triefender Brandl aus:  "3,5 Millionen Arbeiterinnen, keine Betreuung im Winter, nie wieder Angestellte!"

Die Euphorie für mielo.eu und das damit einhergehende Ende der Brandl'schen Vortragsreihe konnte Gerhard Führing, Herausgeber von FONDS professionell, an diesem Abend nicht ganz teilen: "Diese Bienen sind ein kleiner Schritt für einen großen Anwalt und ein Riesen-Rückschritt für FONDS professionell", erklärte Führing, als er sich coram publico für die jahrzehntelange Zusammenarbeit bedankte.(hw)

Anm.: In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurde missverständlich dargestellt, dass sich Ernst Brandl aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Das ist nicht der Fall.