Flughafen Köln Bonn: Eine Maschine aus London Heathrow setzt auf dem Rollfeld auf. An Bord: Richard Woolnough, Manager des über 20 Milliarden Euro schweren M&G Optimal Income Funds, auf dem Weg zu Terminen im Kölner Umland. Seine erste Station führt ihn in ein Restaurant direkt im Airport, wo er uns Rede und Antwort zur Ausrichtung des 2006 lancierten Anleihenportfolios stand, das aber auch in Aktien investieren darf.



Herr Woolnough, was dachten Sie, als Christine Lagarde im November ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) antrat?

Richard Woolnough: Frau Lagarde ist sicherlich sehr einflussreich. Bemerkenswert und wichtig ist aber vor allem, was die EZB bei ihrem Treffen im November gesagt hat.

Was meinen Sie?

Woolnough: Die EZB hat letztlich zugegeben, dass der Fiskaltransfer innerhalb der EU von den nördlichen zu den südlichen Staaten so nicht weitergehen kann. Dieser Transfer wird bekanntlich durch die Nullzinspolitik erreicht, da sich Italien & Co. auf diese Weise leichter refinanzieren können. Länder wie Deutschland möchten das aber nicht mehr. Schließlich torpediert das unter anderem die Sparchancen ihrer Bewohner. Zwar hat die EZB daraus bislang keine Konsequenzen gezogen, das Eingeständnis an sich ist aber schon bemerkenswert. Und das bestärkt mich in meiner Meinung über die Entwicklung der Zinsen und damit auch, wie ich den Fonds ausgerichtet habe.

Das müssen Sie erläutern!

Woolnough: Nach meiner Einschätzung ist die Weltwirtschaft gesund. Allerdings verlangsamt sich deren Wachstum, insbesondere in Deutschland. Aber nicht etwa, weil eine Rezession ansteht, sondern weil der Zyklus so weit fortgeschritten ist. In einer solchen Phase sind weitere Steigerungen einfach schwierig. Nun kommt es darauf an, dass dies zu Preissteigerungen führt, die wiederum eine höhere Inflation zur Folge haben. Daher sollten eigentlich die Zinsen mittelfristig wieder klettern, wenngleich ich nicht genau weiß, wann das geschehen wird.

Okay, aber was bedeutet das für den Fonds?

Woolnough: Dazu müsste ich kurz erklären, wie wir Erträge generieren.

Nur zur…

Woolnough: Die Erträge von Anleihen, aber auch von anderen Assets, haben zwei Quellen: Kreditqualität und die Laufzeit des Investments, die sogenannte Duration. Die Kreditqualität besagt, wie hoch die Chance ist, dass man sein Geld wiederbekommt. Wenn diese gering ist, erhält man als Risikoausgleich höhere Zinsen. Die Duration wiederum bestimmt, wie lange das eigene Kapital gebunden und wie groß die Chance ist, es gegebenenfalls schnell in höher rentierliche oder auch sichere Anlagen umzuschichten. Wichtig ist hierbei nun das jeweilige Wirtschaftsszenario, davon hängt die genaue Allokation der Assets ab.

Sie sind, wenn ich Sie richtig verstehe, grundsätzlich optimistisch. Was heißt das nun für die Ausrichtung des Fonds?

Woolnough: Um es kurz zu machen: Wenn etwa eine Rezession ansteht, dann wollen Sie geringes Risiko und lange Laufzeiten. Daher sind dann langlaufende Staatsanleihen das Mittel der Wahl. Wenn es konjunkturell aufwärts geht, dann wollen Sie kurzlaufende Assets mit hohem Risiko und entsprechenden Erträgen haben. Aktien oder Unternehmensanleihen kommen dann in Frage. Unsere aktuelle Positionierung entspricht eher diesem zweiten Szenario, besonders im Hinblick auf die Duration. Der Fonds hat mit rund 1,5 Jahren die geringste Duration seiner Geschichte.

Wenn Sie gerne Risiko im Portfolio haben, wie hoch ist das durchschnittliche Rating des Fonds?

Woolnough: Das durchschnittliche Rating des Portfolios liegt nahe bei A. Das ist vor allem auf zwei Dinge zurückzuführen: Erstens bevorzugen wir klar Investment-Grade-Anleihen, die gegenüber Hochzins-Emissionen günstiger bewertet sind. Der zweite Grund ist die Rallye der Credit Spreads 2019: Zu Jahresanfang waren sie sehr gut bewertet; jetzt sind sie in etwa fair bewertet. Das hat uns dazu veranlasst, das Kreditrisiko im Portfolio zu reduzieren. Nun mag es so erscheinen, dass wir kein großes Risiko in diesem Bereich haben, doch der Großteil unseres Engagements in Investment-Grade-Anleihen hat lange Laufzeiten. Aus meiner Sicht stellt dies ein angemessenes Kreditrisiko dar.

Wo finden Sie denn derzeit noch lukrative Assets?

Woolnough: Da der Fonds einen benchmarkunabhängigen "unconstrained"-Ansatz verfolgt, kann ich überall auf der Welt investieren. Wir hatten auch eine Position in argentinischen Staatsanleihen, wenn auch eine sehr kleine. Die Netto-Position war insgesamt in Argentinien jedoch negativ, da wir gleichzeitig eine Shortposition über Credit Default Swaps hielten. Der Großteil des Anlegergeldes ist aber in US-Papieren investiert.

Warum?

Woolnough: Der europäische Anleihenmarkt ist durch die Aufkäufe der EZB gestört. Es gibt kaum Angebote, sodass die Papiere teuer sind. In den USA dagegen mischt sich die Zentralbank nicht mehr ein, und das Angebot ist ausreichend groß, gerade bei Unternehmensanleihen. Daher investieren wird dort und hedgen das Währungsrisiko.

Sie richten Ihre Strategie an der künftigen Wirtschaftsentwicklung aus. Wie beeinflusst der Brexit diese in Europa und anderswo?

Woolnough: Ich kommentiere den Brexit nicht, da unklar ist, wie genau Großbritannien die EU verlassen wird. Grundsätzlich könnte der Austritt aber auch Vorteile haben.

Inwiefern?

Woolnough: Ereignisse wie Wahlen oder eben der Brexit führen zu Fehlbewertungen bei Assets. Anleger werden entweder sehr pessimistisch oder sehr optimistisch, sodass Anleihen oder Aktien zu Preisen gehandelt werden, die nicht gerechtfertigt sind. Das ist für einen Value-Investor wie mich, der immer versucht, unterbewertete Papiere zu finden, natürlich eine willkommene Gelegenheit.

Vielen Dank für das Gespräch. (jb)