2018 brachte nicht nur eine sommerliche Hitzewelle, die viel Eis schmelzen ließ, sondern auch fallende Aktien- und Anleihekurse, die die Werte zahlreicher Portfolios dahinschmelzen ließ. Mit diesem Vergleich leitete Peter Brezinschek, Chefanalyst von Raiffeisen Research, seinen Jahresausblick am mittlerweile zehnten "Kathrein Talk“ der Wiener Kathrein Privatbank ein. Nach einem Überblick über die Verluste der wichtigsten Marktsegmente wie Aktien, Anleihen oder auch dem vor über einem Jahr vielfach gehypten Bitcoin (minus 75 Verlust in 2018) widmete sich Brezinschek den wichtigsten Kurstreibern des soeben gestarteten Anlagejahrs 2019. Seiner Ansicht nach, werde auch dieses Jahr die Politik die Musik an den Märkten spielen und damit zumindest vorläufig die alte Börsenregel "Politische Börsen haben kurze Beine“ obsolet machen.

Immerhin werden Krisenherde wie Italien, Frankreich, Brexit oder auch diverse Twitter-Tweets von US-Präsident Donald Trump weiterhin die Märkte und damit die Investorennerven belasten. Der Handelskonflikt USA veersus China sei im Grunde ein Kampf um die Vormachtstellung bei der Technologie und damit um die Setzung zukünftiger Industrie- und Produktionsstandards. Von diesem Ausgang werde abhängen, wie Europa zukünftig produzieren werden. An dieser Stelle kritisierte der Raiffeisen-Mann die Passivität der Europäer, die auf immer mehr wirtschaftlichen und technologischen Gebieten gegenüber ihren weltweiten Rivalen ins Hintertreffen gerieten.

Für Brezinschek würden Rezessionsrisiken von den Investoren überschätzt, die konjunkturelle Eintrübung sei nur ein gesunder Rückgang von vormals sehr hohen Wachstumsraten. Da mittlerweile viele Akteure eine Rezession erwarteten, würde dieses Risiko seiner Ansicht nach nicht schlagend bzw. sollte zumindest aufgrund der bereits erfolgten Einpreisung die meisten Wertpapierkurse nicht weiter belasten. Brezinschek erwartet eher eine schwierige Marktphase vergleichbar mit den Jahren 2014 bis 2016, aber keinen ausgeprägten Bärenmarkt wie nach der großen Finanzkrise 2008. Für den Raiffeisen-Professional werde der EZB-Rat mit den Negativzinsen immer unzufriedener und will den Krisenmodus verlassen. Daher könnte zumindest der für die EZB wichtige Einlagezinssatz den Minus-Bereich verlassen, nicht jedoch der Refinanzierungszinssatz.

Was kaufen?
Damit stellt sich für Investoren die Frage, welche Assetklassen übergewichtet gehören. Da Anleihen noch immer "sehr teuer“ seien, sollten Investoren sowohl bei OECD-Staats-, und Unternehmensanleihen möglichst untergewichtet sein, da real nach Abzug von Inflation kaum Aussicht auf eine positive Realrendite bestünde. Falls genug Risikobudgets existieren, böten sich Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern an, wo auf Indexebene Renditen von um die sieben Prozent locken. Hinzu kommt die Chance auf Kursgewinne auf der Währungsseite.

Investoren sollten Aktien keineswegs ignorieren. Denn mittlerweile hätten Analysten vielfach ihre Erwartungen an das zukünftige Gewinnwachstum zurückgenommen, sodass ein Übertreffen dieser reduzierten Annahmen zu Kursgewinnen der vielfach bereits wieder vernünftig bewerteten Aktien im ersten Halbjahr 2019 führten könnte (siehe Grafik oben in der Bilderstrecke). Seiner Ansicht nach könnte – sofern die Rezessionsängste zurückgehen- das erste Halbjahr 2019 bei riskanten Assetklassen wie Aktien sogar „Entspannung bringen“.

Schwieriger werde das zweite Halbjahr 2019. Weil sich dann der Investorenblick auf das Jahr 2020 richtet und in diesem Jahr ein Übertreffen der Gewinnwachstumserwartungen äußerst schwierig werde. Daher könnte das zweite Halbjahr 2019 im Zeichen fallender Kurse stehen.

Guter Rat ist teuer
Da Aktien-Engagements langfristiger Natur sein sollten, empfahl Brezinschek dem anwesenden Publikum, dieses Jahr schwache Börsentage und "Ausverkaufskurse“ zum langfristigen Einstieg zu nutzen.

Abseits von Anleihen und Aktien findet der Raiffeisen-Chefanalyst Immobilien sowie aus taktischen Überlegungen Gold interessant. Sein Fazit respektive seine Kurzeinschätzung für 2019 lautete abschließend: 2019 werde unter starken Schwankungen nur bescheidene Erträge bringen. (aa)