"Plötzlich war ich leer": Thiem über die Zeit nach dem großen Triumph
Dominic Thiem blickt auf der Kongressbühne in Wien offen auf seine Karriere zurück – von den ersten Tennisschlägen als Kind über den US-Open-Triumph 2020 bis zu den Herausforderungen nach dem Karriereende. Heute setzt der ehemalige Tennisstar auf Unternehmertum, Nachwuchsförderung und neue Projekte.
Dominic Thiem begann seine Reise im Tennis bereits mit fünf Jahren. Seine Eltern betrieben eine Tennisschule und nahmen ihn regelmäßig in den Tennisverein mit. Dort entwickelte er schnell eine große Leidenschaft für den Sport. Stundenlang trainierte er an der Ballwand – und bemerkte früh, dass er über außergewöhnliches Talent verfügte.
Als Kind betrieb er neben Tennis auch andere Sportarten wie Fußball oder Eishockey. Doch mit etwa elf Jahren wurde aus dem Hobby ein ernsthafter Karriereweg. Mit dem Wechsel in die Akademie in der Südstadt fiel die Entscheidung: Alles sollte auf das Ziel ausgerichtet werden, Tennisprofi zu werden.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, seinen eigenen Charakter auf dem Platz zu verändern. Thiem beschreibt sich selbst als eher ruhigen und defensiven Menschen. Um im Spitzentennis erfolgreich zu sein, musste er jedoch lernen, aggressiver zu spielen und Initiative zu ergreifen – ein Prozess, der mehrere Jahre dauerte.
Erste Zweifel und wichtige Durchbrüche
In dieser Phase musste Thiem auch Rückschläge verkraften. Nach frühen Erfolgen verlor er plötzlich Spiele gegen Gegner, die er zuvor klar besiegt hatte. International spielte er zeitweise kaum eine Rolle. Gerade in diesen Jahren sei die Unterstützung seines Umfelds entscheidend gewesen, sagt er rückblickend.
Ein wichtiger Meilenstein war das Finale der Juniorenkonkurrenz der French Open. Dort spürte er erstmals, dass er auch international mit den Besten seines Jahrgangs mithalten konnte.
Ein weiteres prägendes Erlebnis folgte 2013 beim Turnier in Wien, als er erstmals gegen einen Top-Ten-Spieler antrat. Obwohl er das Match knapp verlor, erkannte er, dass der Abstand zur Weltspitze kleiner war als gedacht. "Das ist genau der Ort, wo ich hinkommen will", erinnerte er sich.
Der Weg an die Weltspitze
Die Jahre zwischen 2013 und 2016 beschreibt Thiem als die vielleicht schönsten seiner Karriere. Woche für Woche sammelte er neue Erfahrungen und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. Schließlich schaffte er den Sprung in die Top Ten der Weltrangliste – ein entscheidender Meilenstein.
Mit diesem Erfolg änderte sich jedoch auch die Perspektive. Statt als Außenseiter anzutreten, wurde er plötzlich selbst zum Gejagten. Große Leistungen, die zuvor als Sensation gefeiert worden wären, wurden nun als Normalität erwartet.
In dieser Phase setzte sich Thiem ein klares Ziel: einen Grand-Slam-Titel gewinnen. Nach zwei Finalniederlagen bei den French Open gegen Rafael Nadal und einer weiteren im Australian Open gegen Novak Djokovic schien der Traum jedoch immer wieder knapp zu scheitern.
Der große Triumph bei den US Open
Der Durchbruch gelang schließlich 2020 bei den US Open. Im Finale gegen Alexander Zverev setzte sich Thiem nach einem dramatischen Fünfsatzmatch durch und gewann seinen ersten Grand-Slam-Titel.
Rückblickend ist er überzeugt, dass gerade die zuvor erlittenen Niederlagen entscheidend waren. Die Erfahrungen aus diesen großen Spielen hätten ihm geholfen, in entscheidenden Momenten die letzten Prozent herauszuholen. Der Titel markierte den Höhepunkt seiner Karriere. Doch danach folgte eine überraschende Phase: Trotz des größten Erfolgs fühlte sich Thiem plötzlich orientierungslos.
Verletzung und Abschied vom Profisport
Kurz nachdem er seine Motivation langsam wiederfand, erlitt er 2021 eine schwere Handgelenksverletzung. Obwohl er alles versuchte, um wieder an sein früheres Leistungsniveau anzuknüpfen, gelang ihm die vollständige Rückkehr nicht mehr.
Im Frühjahr 2024 entschied er schließlich, seine Profikarriere zu beenden. Sein letztes Turnier spielte er im Oktober desselben Jahres in Wien – ein emotionaler Abschluss vor heimischem Publikum. "Der Support war unglaublich", sagte Thiem. Trotz der sportlichen Distanz zu seinem früheren Topniveau sei dieser Moment einer der schönsten seiner Karriere gewesen.
Neue Projekte nach dem Tennis
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn begann für Thiem ein neues Kapitel. Heute konzentriert er sich auf mehrere Projekte. Dazu zählt unter anderem ein Unternehmen im Bereich nachhaltiger Energie, das Privatpersonen und Unternehmen ermöglichen soll, an der Energiewende teilzunehmen. Außerdem engagiert er sich mit der Team Academy Burgenland in der Nachwuchsförderung im Tennis.
Ein weiteres Projekt ist eine Sonnenbrillenmarke, die Sport, Lifestyle und Nachhaltigkeit verbindet. Gleichzeitig arbeitet Thiem weiterhin eng mit seinen langjährigen Partnern zusammen.
Der größte Unterschied zu seiner Zeit als Profi sei jedoch der Teamgedanke. Während er auf dem Tennisplatz letztlich allein verantwortlich gewesen sei, stehe nun die Zusammenarbeit im Mittelpunkt. (mb)















