Großbritanniens Regierung hat eine Verlängerung der Brexit-Frist abgelehnt. Damit bleibt der britischen Premierministerin Theresa May kaum noch Zeit, um ein Abkommen mit der EU, wie beispielsweise eine Zollunion, auszuhandeln. Hinzu kommt die schwierige irische Grenzfrage, bei der May auf die Unterstützung der Democratic Unionist Party (DUP) angewiesen ist, warnt Sébastien Galy, Makro-Stratege bei Nordea Asset Management. Kommt es wirklich zu einem harten Brexit, hätte das gravierende Folgen, die sich heute bereits teilweise abzeichnen.

Es gibt jetzt schon Hamsterkäufe im Vereinigten Königreich, sagt Galy. Das kurbelt den britischen Verbrauch an, erhöht die Importe und verschlechtert die Handelsbilanz. Mit einem harten Brexit würde sich dieser Trend verstärken. Galy vermutet, dass die Bank of England im Falle eines harten Brexits die Zinsen massiv erhöhen würde, um das Pfund zu stützen und so die importierte Inflation zu begrenzen. Allerdings ist diese Prognose bereits in die Bewertung des Pfunds eingeflossen, sagt der Experte. 

Schwaches Pfund ist Fluch und Segen zugleich
Einige große ausländische Exporteure wie Produzenten aus Japan werden voraussichtlich einen Teil ihrer Fabriken aus Großbritannien verlagern. Allerdings "wird das schwache britische Pfund diese Tendenzen abschwächen", so Galy. Die britische Notenbank prophezeit, dass das Bruttoinlandsprodukt deutlich schrumpfen, die Wohnungspreise um 30 Prozent fallen und die Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent steigen wird. Mit Blick auf die immensen Konsequenzen eines harten Brexits dürften die kommenden Wochen für May ein Drahtseilakt werden. (fp)